Bis zum 4. April kann man im Literaturmuseum am Prinz-Max-Palais eine Ausstellung über die Entstehung des Glasperlenspiels von Hermann Hesse besichtigen. In einem grossen Raum, auf ein paar Dutzend Tischen, kann man Briefe, Bücher, Bilder und andere Gegenstände aus den 11 Jahren, an den Hermann Hesse an der Lebensgeschichte von Joseph Knecht schrieb, bewundern. Circa 1931 fing Hesse an, den Ablauf des Werkes zu planen, besuchte fleissig Bibliotheken und schickte auch seine Familienangehörige fort, um Informationen über den historischen Hintergrund zu Joseph Knechts Kindheit zu suchen, von der Blaskappellenmusik bis zu Gelehrtenwerke, um lateinische Zitate seines Albertus Secundus glaubwürdiger zu gestalten. Später gibt Hesse in einem Brief zu, er habe sich für die Kindheit Joseph Knechts wohl “überstudiert”, und dass an zu sorgfältiger Recherche letztendlich die Dichtung an Wert verliere. Schon 1919 verlies Hesse Deutschland, um im italienischen Montagnola in einer kleinen Wohnung zu leben. In dieser Wohnung empfing er später auch Flüchtlinge aus Deutschland, so z.B. Thomas Mann.
In der Ausstellung kann man Fotos von Hesse auf Skiern sehen, und lernt, dass er lebenslanger begabter und überzeugter Skifahrer war. Doch der alternde Hesse (er war schon über 50) hat schwerwiegende Probleme mit seiner Gesundheit, hat Rheuma und Gichtanfälle und kämpft dauernd mit den Nebenwirkungen seiner Arzneimittel (ausgestellt ist ein Gedicht über die Nachteile des Schlafmittels Evipan, dass er für seine Frau dichtete). Beeindruckend sind auch die Briefe von Hermann Hesse, die er mit Bildern drucken lies, und oft selber mit Aquarell bemalte. Am Interessantesten fand ich aber, mit welcher Sorgfalt und mit welcher Überzeugung Hesse die Schriften von Joseph Knecht (also der zweite Teil des Glasperlenspiels) dichtete und zusammenfasste, und wie die Gedichte des alternden Hesse als Jugendgedichte Knechts veröffentlicht wurden. Daran sieht man auch in aller Klarheit, wie wichtig Joseph Knecht als autobiographische Figur für Hesse war. Ein anderer interessanter Satz ist eine Bemerkung von Ninon Hesse, die erklärt, dass Hesse es ausdrücklich erwähnt hätte, wenn es in Kastalien keine Frauen gegeben hätte. Tatsächlich gibt es in dem Glasperlenspiel kaum eine weibliche Figur, wie auch in kaum einem der anderen Werke von Hermann Hesse.
Die Ausstellung war auf jedem Fall interessant, der Eintritt ist ja auch kostenlos, da kann es wirklich kein Fehler sein, sie zu besuchen. Ich hätte allerdings gerne mehr über das Leben von Hesse in diesen Jahren erfahren, als nur eine einigermaßen lose Ansammlung von Gegenständen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir den Film, der im Nebenzimmer lief, nicht angeguckt habe.