{"id":34,"date":"2004-02-16T14:48:16","date_gmt":"2004-02-16T12:48:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.bl0rg.net\/netzstaub\/?p=34"},"modified":"2004-02-16T14:48:16","modified_gmt":"2004-02-16T12:48:16","slug":"der-vernetzte-egoist-tag-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.bl0rg.net\/netzstaub\/2004\/02\/16\/der-vernetzte-egoist-tag-1\/","title":{"rendered":"Der vernetzte Egoist (Tag 1)"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\"><img decoding=\"async\" alt=\"Alt Tag Added during WordPress Conversion\" src=\"http:\/\/blogs.bl0rg.net\/netzstaub\/images\/egoist-logo.jpg\" \/><\/div>\n<p>Am Wochenende fanden die <a href=\"http:\/\/www.zak.uni-karlsruhe.de\/seiten\/start4_karlsruher_gespraeche.html\">&#8220;Karlsruhe Gespr&auml;che&#8221;<\/a> statt. Die Karlsruhe Gespr&auml;che vereinigen seit 8 Jahren Diskussionsrunden, Vortr&auml;ge und k&uuml;nstlerische Vorstellungen,  dieses Jahr unter dem Motto <a href=\"http:\/\/www.zak.uni-karlsruhe.de\/seiten\/4_Oeffen\/43_karls\/4391_the.htm\">&#8220;Ich! Ich! Der vernetzte Egoist?&#8221;<\/a>. Anscheinend war bei dem Motto das Fragezeichen sehr wichtig, &uuml;ber irgendwas will man ja reden. Ein Fragezeichen ist ja auch provokant genug. Am Freitag Abend im hoch bunt beleuchteten <a href=\"http:\/\/www.web.de\/\">Web.de<\/a> Geb&auml;ude (und auch hoch bunt beschallten Geb&auml;ude, draussen konnte man merkw&uuml;rdige Synthesizerakkorde und Urwaldschreie wahrnehmen) wurden die Gespr&auml;che er&ouml;ffnet. Wie man recht schnell nach dem Betreten des Geb&auml;udes feststellen konnte, warb die Stadt f&uuml;r das neue Hirngespinst von Herrn Oberb&uuml;rgermeister Fehring, n&auml;mlich: <a href=\"http:\/\/www.karlsruhe.de\/Projekte\/Kulturhauptstadt\/\">&#8220;Karlsruhe: Kulturhauptstadt Europas 2010&#8221;<\/a>. Viele lebensgrosse Plakate mit Abbildungen der kulturellen Pers&ouml;nlichkeiten der Stadt, nat&uuml;rlich die kulturell und k&uuml;nstlerisch &uuml;berw&auml;ltigende Lichtschau draussen, und beeindruckende Slideshows mit den neusten kleingeschriebenen Kampagneslogans (&#8220;viel vor. viel dahinter.&#8221;). Aha, man wird ja sehen. Mit ein bisschen Gl&uuml;ck gibt es dann noch das ZKM. Und ein paar Studenten, die die Studiengeb&uuml;hren bezahlen k&ouml;nnen. Und hoffentlich gibt es dann auch jeden Abend Lichtschau am Schloss mit Urwaldgeschreien.<\/p>\n<p>Eingeleitet wurden die Gespr&auml;che durch Er&ouml;ffnungsreden von Frau Robertson, Leiterin des veranstaltenden <a href=\"http:\/\/www.zak.uni-karlsruhe.de\/\">ZAK Instituts<\/a>, dem Oberb&uuml;rgermeister und dem CEO von Web.de. Ich vermute, dass der CEO von Web.de einmal Techniker war, denn seine Er&ouml;ffnungsrede war leicht nerdisch angehaucht. Er redete Marketing-f00 &uuml;ber neue Kommunikationsm&ouml;glichkeiten, stellte die ungeahnt tollen Features der neuen Software von Web.de vor, die eine neue Art der Kommunikation erm&ouml;glichen werde. Dann beschrieb er, wie Web.de doch als Diensteanbieter grundlegender Baustein der vernetzten Welt w&auml;re, wo  es doch vor 10 Jahren das Internet noch nicht gab (aha!). Und dann deklarierte er, dass es das jetzt w&auml;r und verschwand. Wie geekig! Wie vernetzt! \ud83d\ude42 Ich glaube, dass anschliessend Frau Robertson noch kurz den ersten Redner, den Gastredner aus Amerika, Unterst&uuml;tzer von Howard Dean, vorgestellt hat:<a href=\"http:\/\/www.benjaminrbarber.com\/\"> Benjamin Barber<\/a>, Professor an der University of Maryland und wichtiges Mitglied des <a href=\"http:\/\/www.democracycollaborative.org\/\">Democracy Collaborative<\/a> . Dieser stellte seine Thesen &uuml;ber Technologie und Vernetzung, &uuml;ber E-Democracy vor. In einem humpeligen Deutsch, denn &#8220;Es ist besser, dass sie perfekt verstehen, was ich nicht so perfekt ausdr&uuml;cke, als dass sie das missverstehen, was ich perfekt ausdr&uuml;cke.&#8221; Viel kann ich von der Rede aus meinem Ged&auml;chtnis nicht mehr zusammenkratzen, zum Teil weil die Durlacher Trollfraktion auf einmal da war, und sich &uuml;ber alles lustig gemacht hat (&#8220;Sie st&ouml;ren&#8221;). An einer Aussage kann ich mich noch erinnern, und zwar, dass Technik neutral sei, und letztendlich immer von Menschen kontrolliert w&uuml;rde. Genau dieser Satz wurde am n&auml;chsten Tag wieder aufgegriffen, und es wurde dazu bemerkt, dass Technik nie neutral sei, sondern immer eine gesellschaftliche Wirkung habe. Aber genau das wollte Barber ja sagen, nur dass nicht die Technik an sich f&uuml;r diese Auswirkungen verantwortlich ist, sondern die Menschen, die sie einsetzen. Das konnte er mit dem Beispiel des Schiesspulvers ausmalen: dieselbe Technologie hatte komplett andere gesellschaftliche Folgen in Europa, wo es sozusagen zu einer &#8220;Demokratisierung&#8221; des Krieges kam, wo nicht nur mehr ein paar Kriegsherren die alleinige milit&auml;rische Macht besassen; und in China, wo das Schiesspulver die Macht der Warlords nur st&auml;rker befestigen konnte.<\/p>\n<p>Gefolgt wurde Benjamin Barbers Rede von dem Vortrag von <a href=\"http:\/\/wwwedoga.de\/\">Mo Edoga<\/a> &uuml;ber &#8220;Die Unendlichkeit als plastisches Ereignis&#8221;. Dazwischen lag aber die heiss ersehnte Buffetpause, mit Rotwein, Weisswein, Laugengeb&auml;ck und kleinen H&auml;ppchen aus Bl&auml;tterteig. Eng war es in dem Raum! Aber zur&uuml;ck zu dem eigentlichen kulturellen Geschehen. Mo Edoga ist mit seiner tollen umgekippten Rastafrisur, seinem zu zwei B&auml;llchen zusammengeknoteter Bart und seiner enganliegenden Lederhose sofort aufgefallen. Vor dem Vortrag hat er ein paar Videomitschnitte von einem seiner Kunstwerke in Washington gezeigt, wo er tagelang aus Treibholz einen riesigen Turm gebaut hat. &Auml;hnliches hat er auch hier an der Fridericiana 1994, oder auch auf der Documenta IX (1992) gemacht. W&auml;hrend diesem Zusammenknoten von Baumst&auml;mmen unterhielt er sich immer mit den Leuten, die ihn und sein Werk beobachtet haben. Anscheinend ist diese Kommunikation mit dem Publikum fester Teil seines k&uuml;nstlerischen Vorgehens. Ein paar S&auml;tze aus diesen Gespr&auml;chen mit dem Publikum wurde im Dokumentarfilm aufgezeichnet, die wohl auch Schl&uuml;ssel zu seinem sp&auml;teren Vortrag sind: &#8220;Der Sinn ist nicht wichtig&#8221; (so habe ich es in Erinnerung). Mitgebracht hat er auch einen relativ kleinen (ungef&auml;hr 1 Meter Durchmesser) Globus aus Treibholz, einen &#8220;nicht-euklidischen Globus&#8221;. Edoga stellte dann im Vollautomatik-Rhythmus die komplexe Philosophie, die sein Werk untermauert. Wortw&ouml;rtlicher Mitschrieb (einen Satz konnte ich einigermassen abtippen, der Rest ging zu schnell, und es ist jetzt nicht unbedingt so, dass ich langsam tippe):<\/p>\n<div>\nMit der Unendlichkeit als plastisches Ereignis, plastisch denn programmatisch ist zu gef&auml;hrlich, ist die Nichteuklidie besonders durchdacht und ziehlt auf die Intensivierung der k&ouml;rperlichen Dimension der Intellektualit&auml;t der Renaissance.<\/div>\n<p> Gemeint mit Renaissance ist hier die &Ouml;korenaissance (alles klar?). Ein paar Begriffe schienen ihm besonders wichtig zu sein, denn er notierte sie auch auf einer Tafel: Chaogenit&auml;t, &Ouml;korenaissance, Nicht-euklidie. Er erz&auml;hlte uns auch, Amerikaner h&auml;tten ihm abgekauft, dass Chaogenit&auml;t ein real existierender Begriff griechischen Ursprungs sei, wo Edoga ihn doch nur erfunden h&auml;tte. Dabei lachte er sich einen ab. Die Entropia-Trollfraktion war nach dem Rotwein auch relativ heiter, und wir konnten uns nicht verkneifen, w&auml;hren dem Vortrag zu lachen und zu beobachten, wie nach und nach das Publikum den Raum verliess. Eine blonde Dame vor uns reagierte dann auch ganz angepisst, und meinte zu Nicola: &#8220;Sie st&ouml;ren.&#8221; &#8220;Wir k&ouml;nnen doch nichts daf&uuml;r, wenn sie nichts peilen&#8221;, antwortete Nicola. Dann wurde gewettet, ob der Vortrag ernst gemeint war, Nicola und mgr waren strikt der Meinung, das sei nur Verarschung, Dividuum und ich waren uns da nicht so sicher. Scheinbar war das auch ernst gemeint, denn die Sprache hatte Mo Edoga auch sp&auml;ter im Restaurant und bei einer Publikumsfrage bei der Podiumsdiskussion drauf. Vielleicht k&ouml;nnen wir einfach seine Gedankeng&auml;nge nicht parsen, und er bewegt sich nur in Welten, die ihn verstehen. Jedenfalls stand nach einer halben Stunde Frau Robertson auf, und meinte freundlich zu Mo Edoga, das Publikum w&auml;re jetzt nicht mehr ganz fit nach dem Naschen und Alkoholkonsum, und es w&auml;re langsam Zeit, Schluss zu machen. Und so ging auch der Abend zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Wochenende fanden die &#8220;Karlsruhe Gespr&auml;che&#8221; statt. Die Karlsruhe Gespr&auml;che vereinigen seit 8 Jahren Diskussionsrunden, Vortr&auml;ge und k&uuml;nstlerische Vorstellungen, dieses Jahr unter dem Motto &#8220;Ich! Ich! Der vernetzte Egoist?&#8221;. 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