Das Buch habe ich mir bei einem Drogenrauschkauf in der Buchhandlung nebenan gekauft (Drogenrauschkauf heisst: eigentlich nur ganz kurz reingehen, um sich die Buchhandlung anzuschauen, und mit 10 Büchern rausgehen). Seit längerer Zeit such ich nach einer Biographie von Jack London, weil der Held in Haruki Murakamis Roman “Tanz mit dem Schafsmann” (ich glaub das war der Roman, und nicht “Sputnik Sweethearts”) zwischendurch in einem Cafe rumhockt und gerade so eine Biographie liest. Die habe ich dann auch in der Buchhandlung gefunden, aber leider eher so ein Bilderband mit ein bisschen Text.
Nun aber zum Thema des Postings. Zusätzlich zur Biographie von Jack London habe ich das Buch “Fermats letzter Satz” von Simon Singh gekauft. Zu Weihnachten hatte ich das Buch über Kryptographie von ihm verschenkt, und mir wurde gesagt, dass es wirklich unterhaltsam sei. Also gut, Fermats letzter Satz klingt ja auch halbwegs spannend. Das Spannendste an dem Roman war aber die Lebensgeschichte von Evariste Galois, die ich aus dem Internet schon kannte. Evariste Galois ist der Mathematiker, dem man die sogenannten “Galois-Gruppen” verdankt. Ich bin jetzt nicht so der Mathe-fan, und versteh eigentlich kaum was auf dem Gebiet, aber Galois-Gruppen sind für die Informatik von ganz besonderem Interesse, weil sich bestimmte Galois-Körper (Körper in der die Elemente praktisch Polynome sind, und die Operation + und * auf diesen Polynomen agiert) sehr einfach mittels Bit-operationen modellieren lassen. Das ist jetzt ein paar Jahre her, dass ich das benutzt habe, aber bei der FEC-Kodierung für poc wird gerade in einem Galois-Körper gerechnet, der mit Integers von 8 Bit dargestellt. Hierzu ein Kapitel aus meiner gescheiterten Studienarbeit, und die passenden C files dazu.
Evariste Galois ist sowas wie eine tragische Figur der französischen Mathematik des 19. Jahrhunderts. 1811 geboren, wurde er wegen seiner besonderen Begabungen schon im jüngsten Alter in das Lycée Louis le Grand in Paris aufgenommen, wo er mit 16 die Bekanntschaft der Mathematik machte. In den 6 folgenden Jahren gelang es ihm dann, mehrere Durchbrüche auf dem Gebiet der Mathematik zu erlangen. Doch wegen seiner leicht gehetzten Art und seinen rebellischen Tendenzen wurde er meistens von den älteren Mathematikern abgewiesen, und wandte sich auch bald von der Mathematik an sich ab, und kämpfte auf der Seite der revolutionären Republikaner gegen den neuen König Louis-Philippe. Auch sein Vater war Republikaner, und wurde anscheinend von den Gerüchten, die die Kirche in seiner Stadt verbreiteten, zum Selbstmord gezwungen. Dies setzte Evariste ziemlich zu, bald kam er auch wegen einer Rede mit gezogenem Dolch gegen Louis-Philippe ins Gefängnis. Im Jahre 1832 schnappte er anscheinend einem Adeligen die Verlobte weg, und wurde zum Duell herausgefordert. Da er mit Waffen kaum umgehen konnte, war ihm der Tod ziemlich sicher, und der Legende nach schrieb er in der wilden Nacht vor dem Duell all seine Erkenntnisse zu der Lösung von Polynomen höherer Ordnung hastig nieder. Am nächsten Tag wurde er tödlich verwundet, und kam sehr bald im Krankenhaus ums Leben. 16 Jahre später wurden diese leicht verworrenen Kritzelein von dem Mathematiker Louiville entdeckt, der sich die Mühe machte, sie zu verstehen und ins Klare zu ziehen. Danke diesem Werke, das man sich bei der Bibliotheque Nationale de France besorgen kann, wurde die Theorie der Galois-Felder weltweit bekannt.