Tag Archives: Alice Springs

Schnelldurchlauf

Damit ich auch mal wieder aktuelle Sachen posten kann, hier die letzten Tage im Schnelldurchlauf:

Die Bustour mit Adventure Tours war klasse, mit kleinen Abstrichen wegen Spannungen in der Gruppe.

Tag 1: Nach langer Fahrt erreichen wir King’s Canyon, trotz 42° C beginnen wir mit dem Aufstieg (zwei unfitte und nur mit Badelatschen ausgestattete Damen lassen wir im Auto zurück). Der Marsch durch King’s Canyon ist einer der Höhepunkte dieser Tour und meine anfänglich miese Laune bessert sich zunehmend. Abends wird gegrillt, es gibt Kängeroo- und Rindersteaks. Geschlafen wird auf dem Boden unter freiem Himmel in sogenannten Swags, eine Art Überschlaftsack aus Gummi mit eingebauter Matraze.

Tag 2: Aufstehen um 4:00 Uhr und Abfahrt zum Sunrise-Point des Uluru zum Fotoshooting. Danach marschieren wir einmal um den Uluru herum (basewalk), was ohne Erklärung allerdings ziemlich langweilig ist. Weiterfahrt zu Kata Tjuta, inzwischen ist es noch wärmer geworden. Etwa zwei Drittel marschieren zum dortigen Aussichtspunkt, der Rest bleibt im Schatten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: der Marsch lohnt nicht, der Aussichtspunkt ist öde.

Rückzug ins Camp, hier verlässt uns die Hälfte der Tour und der Rest geht erstmal in den Pool. Gegen 16:00 Uhr fahren wir zum Cultural Centre am Uluru und danach geht unser Guide mit uns an ein paar Höhlen am Fuße des Uluru und erklärt uns, wie die Aborigines hier gelebt haben (hochinteressant!). Danach geht’s zum Sunset-Point, allerdings ist der Himmel voller Wolken und damit das sonst spektakuläre Farbspiel des Uluru ausser Betrieb. Also trinken wir Sekt, futtern Kekse, machen Touri-Fotos und gehen den anderen Touristen vor Ort gehörig auf die Nerven.

Abends im Basecamp wird wieder gegrillt, danach geht’s in die Heia (Swags).

Tag 3: It’s Australia Day! Alle kleben sich die Landesflagge als temporäres Tattoo auf die Backe und die Arme. Lange Fahrt nach Süden mit gelegentlichen Stopps zum Tanken oder für Fotos. Ich hab üblen Ausschlag an beiden Handgelenken, scheint die Hitze+Sonne zu sein. In Coober Pedy angekommen besichtigen wir zuerst eine Opelmine, dan gibt’s abends lecker Pizza und wir rücken alle in die lokale Bar ein. Ziel: »to get pissed« (Slang für: sich die Hucke vollsaufen). Nach einem Bier und drei Gin Tonic hab ich genug und verkrieche mich in unsere unterirdische Behausung.

Tag 4: Rundfahrt in Coober Pedy, danach »Noodling for Opals«, also Suchen nach Opalen. Lange Fahrt mit Bloggen, Schlafen, Lockpicking, Karten Spielen bis zu unserer ankunft in Quorn. Hier das Übliche. Grillen und Bier trinken.

Tag 5: Heute ist eigentlich ein 6,8km langer Spaziergang geplant, aber bei 44°C haben nur drei Leute Lust, der Rest legt sich in den Swimming Pool und wartet. Danach fahren wir zum Ausgleich zu einem sehr schönen Aussichtspunkt, wo man die ganze Gegend perfekt sehen und ablichten kann.

Auf der Heimfahrt begleitet uns ein Sandsturm, der dann in Quorn über uns hinwegfegt.

Tag 6: Weiterfahrt nach Adelaide, eher öde und anstrengend. Grillen unterwegs, am Abend Essen mit der ganzen Truppe.

Hier endet unsere Tour, ich checke in mein Hostel ein. Mein Einzelzimmer (wollte nach meiner Tour mal einen Tage Ruhe haben) entpuppt sich als leeres Viererzimmer. Da jemand aus meiner Gruppe kein Zimmer hat, quartiere ich ihn kurzerhand bei mir ein.

Tag 7: Bin ziemlich fertig und müde, hole morgens meinen Mietwagen und hänge sonst nur so rum. Abends treffen wir uns in der alten Gruppe nochmal zum Kochen, sogar unser Fahrer kommt! Danach ziehen wir noch durch ein paar Bars und gehen schlafen (bin inzwischen in ein reguläres 4-Mann-Zimmer gezogen).

Tag 8: Wollte eigentlich mit zwei Leuten in eine Ausstellung und in den botanischen Garten gehen, aber ich finde niemanden. Also buche ich mir für den Abend eine Fährfahrt nach Kangeroo Island und mache mich auf den Weg. Nach längerer Fahrt erreiche ich die Fähre (man braucht hier ungefähr 1.5-2 Mal so lange für eine bestimmte Strecke wie in Deutschland) und setzte nach KI über. Dort checke ich ins nächstgelegene Hostel ein und schaue mir mit meinem Zimmernachbarn abends die Fairy Penguins an.

Tag 9: Hab zu lange geschlafen, komme erst gegen 11:00 Uhr los. Fahrt zu Seal Bay mit kleiner Tour zum Angucken der Seelöwen. Als ich auf dem Weg einen Geocache heben will, werde ich von einem der Bewohner angesprochen, der mir dann zwei Stunden lang einen Vortrag über Geologie und nationale Geschichte hält. Weiterfahrt zum Flinder’s Range National Park, dort schaue ich mir die Remarkable Rocks und den Leuchtturm an. Auf der Heimfahrt über den Norden treffe ich auf meinen ersten Koala, der sitzt nämlich mitten auf der Straße. Im Laufe meiner Fahrt werde ich noch etwas zehn Kängeroos und einige Vögel auf der Straße antreffen. Nach zwei Stunden anstrengender Fahrt bei Dunkelheit komme ich im Hostel an und gehe sofort schlafen.

Tag 10: Aufstehen um 6:45, damit ich meine Fähre noch erreiche. Die Fähre teile ich mir mit den üblichen Touristen und einer paar tausend Schafen. Mittagspause in Mt Gambier, wo ich mir den Blue Lage und das Umpherston Sinkhole ansehe. Weiterfahrt nach Port Fairy, wo ich mich für zwei Nächte einquartiere.

Tag 11: Drei Fuhren Wäsche gewaschen, Auto entmüllt und eingekauft. Abends bin ich über die Insel um die Ecke marschiert.

Tag 12: Früher Start zur Great Ocean Road, leider ist das Wetter bescheiden (dicke Wolkendecke). Nach 20km vermisse ich meine Uhr, also zurück, Uhr aus der Dusche holen, weiter geht (Laune sinkt spürbar). Ab hier das volle Touristenpaket: an jedem Parkplatz anhalten, austeigen, dem beschilderten Weg folgen, Fotos machen, weiterfahren.

Komme abends ziemlich gerädert in Apollo Bay an, checke in mein Hostel ein, hole mir etwas frittierten Fisch am Stand und gehe ins Bett.

Tag 13: Weiterfahrt nach Melbourne, der zweite Teil der Great Ocean Road ist auch nett, aber sehr selbstähnlich (Strand und Felsen halt). Die Fahrt zum meinem Hostel in Melbourne ist trotz GPS abenteuerlich und nervenaufreibend. Zum Glück hat mein Hostel eine Tiefgarage, so muss ich keine horrenden Parkgebühren zahlen. Abends gehe ich noch in die Stadt und treffe auf Leute von meiner ersten Bustour, die Welt ist klein! Gegen 23:30 geh ich dann ins Bett mit dem guten Gefühl, morgen nicht hektisch auschecken zu müssen.

Tag 14 (aus meiner Sicht: heute): Die nacht war ziemlich ätzend, es gibt keine Klimaanlage, das Fliegengitter hält die Luft im Raum und es war viel zu heiß. ab fünf Uhr morgens haben dann die Müllmänner ein Weiterschlafen/-dösen effektiv verhindert. Ich hole mir ein fettiges Frühstück in der hauseigeenen Cafeteria und esse meine Melonenhälfte vom Vortag. Beim Umräumen meiner Klamotten vermisse ich meine (teure) Regenjacke… wahrscheinlich liegt die noch in Apollo Bay. Da dort niemand ans Telefon geht, schreibe ich eine E-Mail und setzte mich aufs Dach, um diesen Blogeintraag zu schreiben. Mal schauen, ob ich meine Jacke noch bekomme, bevor ich nach Cairns in den Regenwald fahre. Sonst muss ich wohl eine Neue kaufen…

Waschtag 2

Das Problem mit der verfärbten Wäsche liegt wohl am Waschpulver, möglicherweise in Kombination mit kalten Waschwasser (die Packung weist explizit darauf hin, das sowohl warmes als auch kaltes Wasser verwendet werden kann).

Jedenfalls sind meine guten weißen T-Shirts jetzt gelblich. Mein Laune sinkt spürbar…

Links ungewaschen, recht nach dem Waschen. Keine Ahnung, ob man's sieht... mein EeePC lebt in einem ganz anderen Farbraum als der Rest der Monitore dieser Welt.

Links ungewaschen, recht nach dem Waschen. Keine Ahnung, ob man's sieht... mein EeePC lebt in einem ganz anderen Farbraum als der Rest der Monitore dieser Welt.

Auch der Rest des Abends und der Nacht verlaufen eher unangenehm: von 21:00 bis 23:00 schlafe ich auf meinem Bett ein (irgendwie lebt mein Körper immer noch in der falschen Zeitzone), danach packe ich langwierig und räume die Bude auf. Kurz nach 1:15 gehe ich in Badeklamotten zum Pool, um mich abzukühlen und wenigstens einmal drin gewesen zu sein. Leider ist vor dem Eingangstor ein großer Scheinwerfer, in dessen Lichtkegel sich eine Millionen Insekten aller Art und Größe tummeln (zum groben Vergleich: ein in Deutschland als »groß« bezeichneter Grasshüpfer würde hier als »klein« eingestuft werden). So langsam gewöhne ich mich zwar an das ganze Viechzeugs, aber das ist mir eine Nummer zu groß. Also zurück aufs Zimmer, wo ich die restliche Zeit bis zum Weckerklingeln im dösigem Halbschlaf verbringe.

Hier ist was los...

Hier ist was los...


Nachtrag: Mein Tourguide meint, die Verfärbung liegt am Wasser (korrodierende Leitung). In dem Fall kann ich mich natürlich abmühen wie ich will, die Klamotten werden immer »eklig« nach dem Waschen…

Worst Internet Access ever

An der Rezeption steht ein Internet-Terminal, das für »läppische« 2$ pro 20 Minuten schnellen Zugang zum weltweiten Netz verspricht. Ich habe extra meinen Stapel Blogartikel, Mails etc. auf einen USB-Stick kopiert, um nach dem Essen mal wieder ein paar Lebenszeichen von mir zugeben. Leider ist das Terminal nach dem Essen gerade besetzt, also setze ich mich in einen freien Korbsessel und warte. Nach zwanzig Minuten bin ich dran, werfe 2$ in die Kiste und werde von einem steinalten Kiosksystem auf Basis von Windows und Internet Explorer Version Urschleim. Als Maus gibt’s einen auf dem Tisch angeklebten Trackball (so ein Teil hab ich das letzte Mal in der achten Klasse in der Schule gesehen). Es gibt sogar einen Anschluss für USB-Massenspeicher.

Der Windows Explorer ist einer selbstgestrickten Oberfläche gewichen, über die man einen eigenen Filemanager und eben den IE starten kann. Software von USB verweigert mit Hinweis auf die Security Policy den Start, womit ich schonmal auf SSH verzichten muss. Meine Unicode-Textdateien erzeugen im IE haufenweise komische Zeichen, sodass ich mir die Pflege meines Blogs auch gleuih abschminke. Nur meine beiden Geocaches will ich unbedingt loggen, also repariere ich meine Logs und klicke mich durch geocaching.com. Das Augenmerk liegt hier auf dem Wort »Klicken«… alle Hotkeys wurden (wohl aus Sicherheitsgründen) deaktiviert. Langsam wird die Dame an der Rezeption auf mich aufmerksam, da ich mit wachsender Intensität auf Deutsch fluche und lästere.

Meine arg geschrumpfte Agenda besteht inzwische nur noch aus Mails überfliegen/lesen und mich auf Twitter zurückmelden. Leider läßt mich das Webmail-Interface der Uni mit einem generischen »unable to log you in« oder so nicht rein (wahrscheinlich ist die Javascript-Engine des Browser defunct oder zu alt), womit sich automatisch twittern auch erledigt hat: ich vergesse nämlich immer meinen Usernamen, den ich dann einfach in meinem Mails nachschaue. Da ich mit den restlichen zwölf Internetminuten irgendwie nix mehr anzufangen weiss, verlasse ich frustriert die Rezeption und verkrümele mich auf mein Zimmer.

Nochmal kurz, prägnant und für alle zum Mitschreiben: das Internet-Terminal in der Heavitree Gap Outback Lodge ist extrem scheisse, fahrt lieber nach Alice Springs rein, da gibt’s benutzbare Internet-Cafes.

Schon wieder Besuch

Ich finde ja, durch diesen schwarzen Punkt im Auge sieht der irgendwie total beknackt aus. Wahrscheinlich habe ich einfach schon zu viele japanischen Comics gelesen...

Ich finde ja, durch diesen schwarzen Punkt im Auge sieht der irgendwie total beknackt aus. Wahrscheinlich habe ich einfach schon zu viele japanischen Comics gelesen...

Dieser dicke Kerl sitzt heute schon den ganzen Tag an meiner Scheibe und lässt sich auch durch mein Rütteln und Klopfen nicht großartig aus der Ruhe bringen. Eigentlich bringen mich solche Viecher ja total aus der Ruhe, aber so langsam gewöhne ich mich daran. Ich muss alle paar Minuten an ihm vorbei und mein Sicherheitsabstand wird jedes Mal kleiner.

Alice Springs 2

Den heutigen Tag habe ich hauptsächlich mit Wandern verbracht. Ich bin um 6:00 Uhr aufgestanden, um dann gegen 7:00 das Zimmer mit drei Liter Wasser im Rucksack zu verlassen. Ich habe zuerst zwei Geocaches gesucht, bin dann lange durch Alice Springs gewandert und irgendwann wieder zurück ins Hostel. Ich war insgesamt 9,5 Stunden unterwegs und habe über 15km zurückgelegt. Ich habe sechs Liter Flüssigkeit getrunken und ausser einem ganz leichten Sonnenbrand auf den Wangen und einer blutigen Schramme am linken Bein den Marsch gut überstanden.

Hier ein paar Impressionen meines Tages:

Alice Springs 1

Hier in Alice Springs ist eigentlich nichts, wie es in Sydney war. Das gilt nicht nur für das Klima, sondern auch für Unterkunft und Kontaktmöglichkeiten.

Ich bin im »Heavytree Gap Outback Lodge« untergebracht, das etwas ausserhalb von Alice Springs liegt. Um in den Stadtkern zu gelangen, muss man ca. 3,5km durch die sengende Sonne marschieren oder den stündlich verkehrenden Shuttlebus benutzen. Handyempfang gibt’s erst wieder auf der anderen Seite der Bergkette, an der Rezeption stehen Payphones und Internet kostet 2$/20min (an einer alten Kiste, Wifi gibt’s nicht). Ich hab ein Vier-Mann-Zimmer im ersten Stock eines langen Gebäudes, welches ich alleine bewohne. Es gibt keine Gemeinschaftsküche, stattdessen habe ich eine kleine Küchenzeile mit zwei Kochplatten, Herd, Spüle und dem nötigsten Geschirr. Es gibt in 500m Entfernung einen Supermarkt und eine Gaststätte (Heavitree Tavern). In der Mitte des Ganzen liegt noch ein Pool, der um 21:00 seine Pforten schliesst. Irgendwo kann man Waschen, was ich für morgen geplant habe. In der Dämmerung kann man wilde Rock-Wallabys füttern. Ich war erstaunt, das meine Unterkunft im Lonely Planet unter »Sleeping« nicht erwähnt ist. Erst wenn man zu »Camping & Caravanning« weiterblättert, wird man fündig.

Schild am Eingang zum Ressort.

Schild am Eingang zum Ressort.

Trotz massivem Einsatz der Klimaanlage ist der Raum immer warm bis heiß. Damit mir die trockene Luft nicht die Kehle zerkratzt, habe ich mittels Mülleimer und Backblech einen einfachen Luftbefeuchter gebaut.

Nebenbei ertrinken haufenweise irgendwelche weissen Insekten im Wasser.

Nebenbei ertrinken haufenweise irgendwelche weissen Insekten im Wasser.

Die nächtliche Geräuschkulisse beim Schlafen setzt sich zusammen aus dem Knattern und Brummen der Klimaanlage, dem undefinierbaren Krach des Kühlschranks und dem Konzert der verschiedenen nachtaktiven Insekten und Tierchen draussen. Während man den Lärm bei Bedarf einfach mit Ohrstöpseln los wird (bis jetzt ging’s auch ohne), muss man mit der butterweichen Matraze auf alten Brettern einfach leben. Generell strahlt die Unterkunft den Charme längst vergangener Zeiten aus; alles ist irgendwie schon alt, mehrfach übermalt und repariert oder einfach kaputt (Fliegengitter im Bad und Türverriegelung zum Balkon). Auch die Betriebsgeräusche von Klimaanlage und Kühlschrank sind sicher dem hohen Alter der Geräte zuzuschreiben. Damit die Geräte nicht 24/7 durchlaufen, hat die Stromzufuhr für Licht und Klima einem Druckschalter, in den der Schlüsselanhänger des Zimmers passt:

Rechts die Schalter für's Licht, links der als »Energy Saver« bezeichnete Schalter.

Rechts die Schalter für's Licht, links der als »Energy Saver« bezeichnete Schalter.

Durch den fehlenden Zwang zum sozialen Kontakt hab ich bis jetzt auch noch niemanden kennengelernt, was mir aber derzeit ganz recht ist. Ab übermorgen geht’s dann ja per Bus in großer Gruppe durch die Gegend, da bin ich dann wieder rund um die Uhr unter Leuten.

Flug nach Alice Springs

Ich fange einfach mal am Vorabend meines ersten Inlandfluges nach Alice Springs an, und zwar mit dem Packen. Ich hasse es! Irgendwie finde ich immer keinen rechten Anfang und diesmal hatte ich auch keine Waage, um ein Auge auf dem Gewichtslimit (20kg) zu haben. Ich habe ausserdem mein Jetlag immer noch nicht ganz überwunden (pünktlich zwischen 18:00 und 19:00 setzt die bleierne Müdigkeit ein), weshalb ich gähnend mit zwei weiteren Mitbewohnern zwischen meinen Sachen auf dem Boden saß und selbige mehr oder weniger organisiert im Rucksack verstaute. Zwischendrin hab ich durch gezieltes Wegwerfen und Verschenken das Gewicht reduziert; meine beiden Hüte aus Deutschland werden jetzt ohne mich ihre weitere Reise durch Australien fortführen. Ausserdem nicht mehr im Rennen: massenhaft Broschüren und meine Badeschlappen aus dem Seehotel Aschaffenburg (hab ich mit freundlicher Genehmigung des Hotel vor ein paar Monaten dort mitgenommen).

Nach dem Packen hab ich mich dann in die Internet-Lounge gesetzt, um mein restliches Guthaben noch zu verbraten. Leider hat’s nur noch für ein ca. fünfminütiges Skype-Telefonat mit Kerstin gereicht, welches der Timer von »Global Gossip Internet Access« abrupt mitten im Satz beendete. Ich würde ja auch gerne mal mit meinen Eltern und meinem Bruder sprechen, aber die sind fast nie online.

Meinen letzten Gutschein für ein Freigetränk in der Bar nebenan hab ich dann meinem Mitbewohner als Abschiedgeschenk überreicht und bin kurz nach Mitternacht ins Bett gegangen. Gegen 4:40 Uhr war’s dann mit der Nachtruhe vorbei, als eine Horde junger Menschen randalierend durch den Flur zog. Ich glaub, ich hab einen Mitbewohner gehört… vielleicht hätte ich ihm das Freibier doch nicht geben sollen. Ich hab dann noch bis 6:00 Uhr vor mich hingedämmert, geduscht, den nassen Krams aussen an den Rucksack geklemmt und bin in die Küche. Ich hab mein Essen doch noch ganz gut dezimieren können; übrig sind: Salz & Pfeffer, Dosensuppe (Kürbis), Instant-Nudelsuppe, eine Scheibe toast-ähnliches Brot und zwei fast-volle Frischkäsedosen. Ich hab alles meinen Mitbewohnern überlassen. Auf lange Sicht muss ich dringend lernen, etwas weniger Vorratshaltung zu betreiben. Nach einem kurzen und hektischen Frühstück (zwei hartgekochte Eier, eine Scheibe Käse, Frischkäse und ein Schokomuffin) geht’s in die Lobby zum Auschecken. Der Shuttlebus kommt überpünktlich, läd alle Wartenden ein, schnautzt ein paar Reisende an (Vorwurf: sie seien zu spät. Wir sind immer noch sechs Minuten vor der offizielle Abfahrtszeit) und ich habe seit langer Zeit mal wieder so richtig Angst! Der Kerl fährt wie ein Irrer, ignoriert rote Ampeln und Verkehrszeichen, fährt ca. 20km/h zu schnell und hupt mehr als er lenkt. Zur Ablenkung unterhalte ich mich mit dem holländischen Päarchen nehen mir, das heute wieder nach Hause fliegt. In mir wächst der Wunsch, nochc irgendwie in die Blue Mountains zu gehen. Ich denke schon seit meinem zweiten Tag darüber nach, meinen Aufenthalt in Sydney um eine Woche zu verlängern. Mal abwarten…

Ich werde als Erster und Einziger am Sydney Domestic rausgeschmissen, der Rest scheint heute in ferne Länder zu reisen. Im Terminal setze ich mich erstmal hin und lade den Scan meines »electronic ticket« im EeePC, da ich meinen Ausdruck irgendwann nach meiner Ankunft verloren habe. Mein Flug ist zwar komischerweise auf keiner Departure-Tafel angeschrieben, aber nach langer Suche finde ich meinem Schalter von Qantas ganz unscheinbar an einer Seite. Ich packe meinen großen Rucksack in seinen Reisebeutel, verschnüre das Ganze und gehen direkt (keine Schlange) zum Schalter. Hier bestätigt sich meine Vermutung, ich bin total falsch. Ichc muss zum Terminal 3 auf der anderen Seite des Parkplatzes. Also schultere ich meinen Rucksack (man stelle sich hier einfach jemanden vor, der einen 20kg-Reissack transportiert) und trabe durch die morgentliche Sonne über den Parkplatz. Im Terminal drei erwartet mich dann er gewohnte Anblick: eine sehr lange Menschenschlange, die siche träge vor drei Check-In-Schaltern windet. Eine Mitarbeiterin von Qantas scheucht mich freundlich zum elektonischen Check-In, wo ich mir meinen Boarding-Pass ausdrucke und mich in die lange Schlange einreihe. Meinen Rucksack schleife ich dabei mit meinem rechten Arm über den Boden… morgen werde ich etwas Muskelkater haben. Mein Gepäck ist etwas zu schwer (300g), aber ich darf es trotzdem aufgeben und auch der Sicherheitscheck verläuft ereignislos. Am Gate hole ich mir erstmal ein flüssiges Frühstück (große Tasse heiße Schokolade), surfe etwas im Netz und warte. Eigentlich würde ich mir gerne die von Quantas betriebene »Airline History Exhibition« ansehen, aber die öffnet erst kurz vor meinem Abflug. Also schau ich bei Katharina in Tokyo vorbei, mach ein Statusupdate bei Twitter und gehe zwanzig Minuten später an Bord.

Die cabin crew ist recht unmotiviert, dafür ist der Start ganz witzig: der Taxiway führt erst mittels Brücke über die volle Autobahn und wird dann beidseitig vom Meer flankiert. Nach dem Start gibt’s nochmal eine klasse Sicht auf Sydney (Fensterplatz, leider direkt hinter der linken Tragfläche) und kurz Zeit später schweben wir über die vom Eisenoxyd rot gefärbten Weiten des Landesinneren.

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Das Essen ist ganz okay (Sandwich mit Hühnchen), über das Wasser freu ich mich gleich aus drei Gründen: es ist schön kalt, schmeckt nicht nach Chlor (ich trinke ja seit Tagen Leitungswasser und die kleinen Flaschen haben genau die richtige Grüße, um darin Waschmittel u.ä. zu transportieren).

In neunzig Minuten werd ich im bitterheißen Alice Springs landen… ich bin ja mal sehr gespannt, wie’s da so ist. Ich hab noch keinen Transfer zum Hostel organisiert, hoffentlich wird das weniger chaotisch als in Sydney. Ausserdem muss ich daran denken, meine Uhr um 90 Minuten zurückzustellen.

<i>Nachtrag nach der Landung:</i> Mit Babys zu Fliegen ist eine ziemliche Gemeinheit! Wir hatten zwei davon in der Kabine und die haben die letzten 15min gebrüllt wie am Spieß. Klar, die kriegen das mit dem Druckausgleich nicht so einfach hin und der Pilot hat ein paar flotte Kurven gedreht. Sowas zermürbt einen leider etwas…