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Sunday, February 22, 2004

Hermann Hesse Ausstellung

Bis zum 4. April kann man im Literaturmuseum am Prinz-Max-Palais eine Ausstellung über die Entstehung des Glasperlenspiels von Hermann Hesse besichtigen. In einem grossen Raum, auf ein paar Dutzend Tischen, kann man Briefe, Bücher, Bilder und andere Gegenstände aus den 11 Jahren, an den Hermann Hesse an der Lebensgeschichte von Joseph Knecht schrieb, bewundern. Circa 1931 fing Hesse an, den Ablauf des Werkes zu planen, besuchte fleissig Bibliotheken und schickte auch seine Familienangehörige fort, um Informationen über den historischen Hintergrund zu Joseph Knechts Kindheit zu suchen, von der Blaskappellenmusik bis zu Gelehrtenwerke, um lateinische Zitate seines Albertus Secundus glaubwürdiger zu gestalten. Später gibt Hesse in einem Brief zu, er habe sich für die Kindheit Joseph Knechts wohl “überstudiert”, und dass an zu sorgfältiger Recherche letztendlich die Dichtung an Wert verliere. Schon 1919 verlies Hesse Deutschland, um im italienischen Montagnola in einer kleinen Wohnung zu leben. In dieser Wohnung empfing er später auch Flüchtlinge aus Deutschland, so z.B. Thomas Mann.

In der Ausstellung kann man Fotos von Hesse auf Skiern sehen, und lernt, dass er lebenslanger begabter und überzeugter Skifahrer war. Doch der alternde Hesse (er war schon über 50) hat schwerwiegende Probleme mit seiner Gesundheit, hat Rheuma und Gichtanfälle und kämpft dauernd mit den Nebenwirkungen seiner Arzneimittel (ausgestellt ist ein Gedicht über die Nachteile des Schlafmittels Evipan, dass er für seine Frau dichtete). Beeindruckend sind auch die Briefe von Hermann Hesse, die er mit Bildern drucken lies, und oft selber mit Aquarell bemalte. Am Interessantesten fand ich aber, mit welcher Sorgfalt und mit welcher Überzeugung Hesse die Schriften von Joseph Knecht (also der zweite Teil des Glasperlenspiels) dichtete und zusammenfasste, und wie die Gedichte des alternden Hesse als Jugendgedichte Knechts veröffentlicht wurden. Daran sieht man auch in aller Klarheit, wie wichtig Joseph Knecht als autobiographische Figur für Hesse war. Ein anderer interessanter Satz ist eine Bemerkung von Ninon Hesse, die erklärt, dass Hesse es ausdrücklich erwähnt hätte, wenn es in Kastalien keine Frauen gegeben hätte. Tatsächlich gibt es in dem Glasperlenspiel kaum eine weibliche Figur, wie auch in kaum einem der anderen Werke von Hermann Hesse.

Die Ausstellung war auf jedem Fall interessant, der Eintritt ist ja auch kostenlos, da kann es wirklich kein Fehler sein, sie zu besuchen. Ich hätte allerdings gerne mehr über das Leben von Hesse in diesen Jahren erfahren, als nur eine einigermaßen lose Ansammlung von Gegenständen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir den Film, der im Nebenzimmer lief, nicht angeguckt habe.

posted by manuel at 3:33 pm  

Sunday, February 22, 2004

Accents

Je sais que mes posts en francais ne comportent pas d’accents ou de c-cedilles, alors que mes posts en allemand ont des tremas. Ca ne veut pas dire que je me donne moins de peine pour les posts en francais (au contraire, j’ai pas mal de difficultes avec la grammaire… ouille ouille), mais plutot que le clavier francais est tellement different du clavier anglais que j’utilise d’habitude que je m’ecorche les doigts avec un layout francais, et que j’en oublie ce que je voulais ecrire. Sur le powerbook, par contre, on peut utiliser de subtiles combinaisons de touche sur le clavier anglais pour faire des accents, mais je n’ai pas reussi a trouver des combinaisons semblables sous windows, si jamais vous avez une idee… Donc, pas taper, j’espere que vous pouvez faire abstraction :).

posted by manuel at 2:51 pm  

Sunday, February 22, 2004

Le maître et Marguerite

Voila, je viens de finir frenetiquement “Le maitre et Marguerite” de Mikhail Boulgakov, achete pour 2 EUR aux brocanteurs de la place de la Cathedrale a Strasbourg cet ete, et qui trainait dans un coin obscur de ma chambre depuis. Je suis entrain de reflechir a comment raconter juste ce qu’il faut pour donner envie de lire ce livre, sans reveler les petits secrets croustillants et delirants qui se cachent a chaque page… Alors, ca se passe a Moscou, dans les annees 30 je crois, tout le monde appelle son prochain “citoyen” ou “citoyenne”, et le premier chapitre raconte comment Ivan Nikolaievitch Biezdommy, jeune poete, et Berlioz (non, pas le compositeur, mais l’ecrivain Mikhail Alexandrovitch) se promenent autour de l’etang du Patriarche. Berlioz est le president du M.A.S.S.O.L.I.T., la formidable association moscovite d’ecrivains, de poetes et de dramaturges, qui possede une somptueuse demeure dans la banlieue (l’ancienne maison de Gribodeiov) et qui se charge de loger ses membres, de leur payer des voyages creatifs a Yalte, et qui les fournit en caviar, vodka glacee, esturgeons rotis et autres cailles au champagne (on voit bien ici l’ironie mordante et cruelle de Boulgakov). Donc, Biezdommy et Berlioz se promenent autour de l’etang du Patriarche, debattant de l’existence de Jesus, lorsqu’apparait un etranger, repondant au nom de Woland, qui leur assure que si, bien sur, Jesus a parfaitement existe, et qui leur conte une journee dans la vie de Ponce Pilate, en ce mois de Nisan, lorsqu’il fit executer un vagabond du nom de Yeshua. C’est a partir de ce moment la que Moscou va etre secouee par une serie d’evenements plus bizarres et surnaturels les uns que les autres, et au coeur de ces evenements, on retrouve toujours ce mysterieux etranger Woland, ainsi que sa suite composee d’un chat noir qui parle et qui marche comme un humain et d’une grande courge repondant au nom de Koroviev.

Le roman se lit d’une traite (j’ai mis quelques jours, quand meme), et est d’une vitalite etonnante, enchainant les recits surnaturels et fantastiques sans s’egarer une seconde. On voit s’amasser dans l’hopital psychiatrique du docteur Stravinsky les malheureuses victimes de Woland, l’homme en noir, le sataniste et specialiste en magie noire, et pourtant, on sourit a chaque paragraphe. Ce n’est que vers la moitie du livre que l’on fait d’ailleurs la connaissance du Maitre et de Marguerite, mais on ne les quittera plus jusqu’a a la fin. En quelques mots, c’est un livre cruel, ironique, vivant, poetique, romantique, historique, et russe (oui, tout ca a la fois). Russe, parce que tous les dialogues me font penser a cette chaleur rugueuse des quelques pauvres poemes que l’on a appris en cours et dont je me souvienne, et des quelques livres russes que j’ai lu ces dernieres annees. En tout cas, c’est un livre formidable, je le recommande chaudement.

posted by manuel at 2:46 pm  

Thursday, February 19, 2004

Die Sonne scheint und nichts zu tun

The sun shines through the curtains, Lali Puna is playing, and there is not much to do for now. Later in the evening, maybe…

Born
Bored
Discovered
All the things we do are pin-up sweet

Born
Bought
Discouraged
All the things we do are pin-up sweet

In between we’re recorders
In between we try

posted by manuel at 12:58 pm  

Wednesday, February 18, 2004

Der vernetzte Egoist (Tag 2)

In dem Bericht über den ersten Tag habe ich gelogen, denn der Abend war nach dem Abklang von Mo Edogas Vortrag noch lange nicht fertig. Kaum wieder in Karlsruhe bemerkte ich, dass ich meinen Geldbeutel irgendwo bei Web.de oder vielleicht in der Bahn verpeilt hatte. Das mit dem Geldbeutelverpeilen ist bei mir wie ein längst vergessenes Familienmitglied, das alle 2 Jahre im Durchschnitt mal wieder an der Tür klopft. Wenn man die Tür nichtsahnend öffnet haucht es einem dann seinen verwesten Mundgeruch ins Gesicht, dass man zuerst eine gezischt kriegt und Atemnot bekommt. Dann aber erst wird einem allmählich klar, dass man erstmal ein paar Tage damit kämpfen muss, weil sich der unerwünschte Gast eingenistet hat. Besonders schlimm ist es, wenn man gleich noch die Schlüssel mit verpeilt, da darf man bevor das Leben überhaupt einigermassen normal weitergeht richtig rumhetzen. Das Schlimme ist das neben dem Geld auch alle superwichtige Papiere, die man so im Alltag braucht, verschwinden (z.B. Netzkarte, Visitenkarten, Mensakarte). Nicht, weil man sie oft braucht (das nervt nur aus pragmatischen Gründen), sondern weil es Gegenstände sind, die einen hohen emotionalen Wert haben, weil man gerade täglich mit ihnen konfrontiert ist. Als ich endlich bei Web.de klingelte, nachdem ich mit der ersten S-Bahn nach Durlach gefahren war, wusste ich eigentlich schon, was mich erwarten würde: “Tut mir leid, aber wir haben leider nichts gefunden.” Super! Ganz grossartig! Ein gelungener Abend! Wirklich! Im Hadiko stellte ich mit Grauen fest, dass an dem Abend ja Faschingsfest war. Klingt lustig, ist es aber nicht. Faschingsfest im Hadiko bedeutet nämlich, dass bis 7 Uhr morgens besoffene Affenabkömmlinge unter meinem Fenster rumgröllen, während dumpfe eklige Mainstreamdiskomucke aus dem K1 sämtliche Wände erzittern lässt. So kam es dann auch, und nach einer erholsamen Nacht durfte ich dann ohne Papiere Richtung FZK düsen, um dort das letzte Genetikseminar abzuhaken.

Wegen dem Seminar konnte ich auch nur zur letzten Veranstaltung des vernetzten Egoisten kommen. Um 16:00 fand im badischen Landesmuseum am Schloss die Diskussionsrunde statt, die den selben Namen, wie die Karlsruhe Gespräche trug: “Gesellschaft im Jahre 2010: Der vernetzte Egoist?”. Ich kam pünktlich zur Kaffeepause, und wollte mir einen Kaffee holen, konnte aber leider nicht, da ich ja kein Geld hatte. Doch genau in dem Moment redete mich eine ZAK-Mitarbeiterin an. “Bist du doch der Marcel?” “Ja so ungefähr, ich bin der Manuel.” “Du hast gestern bei uns deinen Geldbeutel verloren, oder?” Und da war er wieder! Und mit ihm auch gleich das nötige Kleingeld für die heiss ersehnte Kaffeetasse. Juhuu!

Beteiligt an der Gesprächsrunde, die durch Vorträge der Referenten eingeleitet wurde, waren Natascha Adamovsky, Dozentin an der Humboldt Universität Berlin, Johann Günther, Direktor des Zentrums für Telematik in Krems und Peter Weibel, Leiter des ZKM. Natascha Adamowsky trug einen Text vor, in dem sie darstellte, wie sie sich das Leben eines vernetzten Egoisten im Jahre 2010 vorstellte. Ich muss nicht wirklich aufgepasst haben, das Einzige, woran ich mich erinnern kann, ist der Neovergleich. Und tatsächlich kamen Matrixvergleiche auch ziemlich oft in den folgenden Vorträgen vor. Johann Günther hatte vorwiegend Telematikerfolien, mit vielen bunten Grafiken wie weit Vernetzung im letzten Jahrzehnt vorangeschritten sei. Und ein UMTS-Handy hat er, aber das klingelt genauso penetrant und unerwünscht wie die alten GSM-Modelle. Peter Weibel konnte man leider nur schlecht verstehen, aber seine Thesen schienen am interessantesten zu sein. Die Müdigkeit der Nacht, nur gering vermindert durch die paar hastig hinuntergeschlürften Kaffees in der Pause, hinderte mich aber daran, genauer verstehen zu wollen, was er da vorne nuschelte. DJ Reptilskroete stellte während Peter Weibels Vortrag seine Männlichkeit zur Schau, indem er hinten plötzlich aufstand, die Arme zum Himmel schleuderte, und mit schaumigen Mund brüllte: “Reden Sie doch lauter! Man versteht Sie ja kaum!”. Das Lustige war aber nachher die Fragestunde, wo sich ein Zukunftsforscher vorstellte, und meinte, dass die ganze Technikdebatte doch Vergangenheit wäre, das Interessante jetzt sei doch Soziobiologie, ja, menschliche Gesellschaften als Bienenschwärme auffassen. Aha. Und was man schon in vergangen Zeiten mit Soziobiologie verbunden, darüber will man kaum nachdenken (Stichwort Sozialdarwinismus).

Am Abend fand dann die “szenische Lesung” im Nachtflug statt. Ich weiss nicht, ob “szenische Lesung” ein Fachbegriff ist, aber es klingt doch furchtbar hype. Fast so hype wie das Nachtflug-Lokal. In dem Film “Vaya Con Dios” landen 3 Mönche in Karlsruhe, werden fast sofort von coolen jungen Leuten im Cabrio aufgenommen und zu einer extrem geilen Laute-Musik-Nackte-Koerper-Utz-Utz-Party verschleppt. So ungefähr wie der Schuppen, indem diese Party stattfand, kann man sich das Nachtflug vorstellen. Weit ausserhalb (in der Amisiedlung), total schick in Rot und Schwarz, “Bitte nur gepflegte Kleidung”-Schild am Eingang, Weinglas und hochnäsige Bedienung für 5 EUR. Total notwendige Kneipe also. Die szenische Lesung war die Theateraufführung von Falk Richters Stück “Electronic City”, indem es um einen (oder mehrere? oder ganz alle) Geschäftsmänner namens Tom und eine Flughafenangestellte namens Joy geht. Tom reist von Stadt zu Stadt (oder eher von Flughafen zu Flughafen), trifft immer wieder auf dieselben Leute, brüllt laut seine Verzweiflung in die seelenlose Terminalgänge, will alle umbringen oder auch nur wieder ein bisschen lieben. Joy geht es genauso, nur sie ist eben Supermarktsklavin, muss die Barcodemaschine füttern, und sonst nichts. Ich fands ganz nett, wenn auch ziemlich manieriert, und ein bisschen “veraltert”, weil es doch sehr nach 2001 und Startupblase riecht. In derselben Umgebung von grossen Hotelketten, die in Tokyo und Toronto identische Gebäude stehen haben, ist “Lost In Translation” ein ziemlich schöner Schmusefilm.

posted by manuel at 8:32 pm  

Wednesday, February 18, 2004

Killa! Killa! Killa them all!

Gerade eben lief im französischen Fernsehen auf France 2 die Verfilmung von Stephen Kings Roman “Christine”. In dem Buch (und natürlich auch in dem Film) geht es um eine psychopathische rote und verchromte Cadillaclady, die die Menschen umbringt, die ihr Unheil wollen. Das blutige oder brennende Geschehen wird dann stilvoll von den rockigen und rolligen Töne der 50er Jahre begleitet, die aus ihrem Autoradio erklingen. Diese böse Menschen sind zum Beispiel eifersüchtige Highschool-Jocks, die nicht abhaben können, dass Arnie (der Christine einem abspacten Freak abgekauft hat) plötzlich Erfolg bei den Mädchen hat. Oder eben Lee, die Freundin von Arnie. Die ist ihrerseits eifersüchtig, weil Arnie so viel Zeit damit verbringt, Christine zu lackieren und an ihrer Gangschaltung rumzufummeln. Natürlich endet Christine als kleiner zusammengepresster Klumpen Schrott, das ist sozusagen von vornherein klar (den Spoiler musste ich einfach unterbringen).

Ganz schlecht war der Film jedoch nicht, denn man konnte erahnen, dass John Carpenter seine Finger im Spiel hatte. Erträglich war er allerdings nur mit IRC und einem Webbrowser mit ganz vielen offenen Tabs. Die Story ist ungefähr so spektakulär wie eine Sendung mit der Maus: ein Monsterkillerauto, was nie stirbt, und sich immer wie ein Citroen aufpumpt, um aufs neue armselige Opfer qualvoll auszulöschen. Solche Einfälle hatte sogar die Creative Crew von X-Filesnicht während dem tiefsten Sommerloch in Arkansas nicht. Und die total reaktionnäre Geschlechterrollenverteilung und sowieso diese ganze kleinkarierte amerikanische Highschoolkacke ist extrem anstrengend, wenn sie von dem Filmregisseur ernst genommen wird. Mädchen fahren auf Jungs ab, die gut Fussball spielen können (das heisst die gut andere niedertrampeln können und dabei auch noch eierförmige Stahlkappen tragen, um die paar letzten noch leitende Hirnzellen zu schützen). Oder sie fahren eben auf Jungs ab, die rote verchromte Cabrios fahren und dabei ulkige Bill Haley Songs hören. Wenn es dann zur Sache kommt (zum Beispiel zum Endkampf zwischen Bulldozer und Fifties-Cabrio), muss natürlich der Mann, der mit dem Pimmel, die harte körperliche Arbeit leisten, während das Mädchen kreichst und Opfergabe spielt. Dass das potente Kampftier gerade erst ein paar Wochen im Krankenhaus mit Gehirnerschütterung lag, und immer noch humpelt, spielt dabei keine Rolle. Vom Konzept her dreht es sich in “Christine” auch nur um zwei Weiber, die sich die Augen aushacken, weil sie hinter demselben Burschen hersind… Naja… Auf die Dauer wirds langweilig.

posted by manuel at 12:15 am  

Monday, February 16, 2004

Schöne Automaten

Der Geist lernt gerade auf Info3, und hat vorhin neben mir in seinem Skript gelesen. Zwischendurch hat er dann immer Fragen zu dem Stoff gestellt. “Kann ein endlicher Automat eine unendliche reguläre Sprache erkennen?” … “Ist eine endliche Sprache immer regulär?”. Bei den Fragen kam mir wieder zu Gemüte, warum ich eigentlich theoretische Informatik so gern hab… Wieso ich von Zeit zu Zeit einfach nur so ein Buch über Komplexität aufklappe, und es dann nach 5 Minuten wieder hinlege, weil man die Materie nur ganz langsam geniessen kann. Man muss sich ja auch erst die Unendlichkeit des Bandes in einer Turingmaschine vorstellen… Und überhaupt ist das Konzept einer Maschine, die nur vor und zurückspulen kann, so minimal und einfach ist, dass es schon per Definition ästhetisch ist. Theoretische Konzepte können eigentlich nur kunstvoll sein, eigentlich auch im grafischen Sinne.

Automaton

Dieser Minimalismus fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Genauer gesagt, dass man vom Konzept her alles überschauen kann. Und dass theoretische Konzepte immer eine heile Welt bilden: eine 1 ist eine 1 und ist wahr und eine 0 ist eine 0 und ist falsch und ist keine 1 und dazwischen gibt es nichts, und eine 1 geht nie kaputt und wird auch nie zur 0. Dieser Gedanke ist immer da, wenn ich ein neues Paper lese, wenn ich ein neues Programm schreibe, wenn ich eine neue Programmiersprache ausprobiere, oder wenn ein neuer Rechner auf dem Basteltisch steht. Natürlich klappt das nie so richtig, das mit der Überschaubarkeit, weil wir ja alles nur Menschen sind. Das mit dem nie kaputt gehen klappt auch nie so wirklich, da macht es mal Peng! und da ist der Kontroller am Arsch, oder die Software ist halt nach einer Zeit nur noch Müll. Das hat mich früher tierisch aufgeregt, und mir auch immer panische Angst gemacht. Mittlerweile hat die Liebe für theoretische Minimalismen aber zur Liebe für unscharfe Sachbestände, für komplexe Beziehungen, für Relationen, die man weder kennt noch nachvollziehen kann geführt. Naja, vielleicht wird man mit der Zeit auch ein bisschen erwachsen 🙂

posted by manuel at 10:45 pm  

Monday, February 16, 2004

Der vernetzte Egoist (Tag 1)

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Am Wochenende fanden die “Karlsruhe Gespräche” statt. Die Karlsruhe Gespräche vereinigen seit 8 Jahren Diskussionsrunden, Vorträge und künstlerische Vorstellungen, dieses Jahr unter dem Motto “Ich! Ich! Der vernetzte Egoist?”. Anscheinend war bei dem Motto das Fragezeichen sehr wichtig, über irgendwas will man ja reden. Ein Fragezeichen ist ja auch provokant genug. Am Freitag Abend im hoch bunt beleuchteten Web.de Gebäude (und auch hoch bunt beschallten Gebäude, draussen konnte man merkwürdige Synthesizerakkorde und Urwaldschreie wahrnehmen) wurden die Gespräche eröffnet. Wie man recht schnell nach dem Betreten des Gebäudes feststellen konnte, warb die Stadt für das neue Hirngespinst von Herrn Oberbürgermeister Fehring, nämlich: “Karlsruhe: Kulturhauptstadt Europas 2010”. Viele lebensgrosse Plakate mit Abbildungen der kulturellen Persönlichkeiten der Stadt, natürlich die kulturell und künstlerisch überwältigende Lichtschau draussen, und beeindruckende Slideshows mit den neusten kleingeschriebenen Kampagneslogans (“viel vor. viel dahinter.”). Aha, man wird ja sehen. Mit ein bisschen Glück gibt es dann noch das ZKM. Und ein paar Studenten, die die Studiengebühren bezahlen können. Und hoffentlich gibt es dann auch jeden Abend Lichtschau am Schloss mit Urwaldgeschreien.

Eingeleitet wurden die Gespräche durch Eröffnungsreden von Frau Robertson, Leiterin des veranstaltenden ZAK Instituts, dem Oberbürgermeister und dem CEO von Web.de. Ich vermute, dass der CEO von Web.de einmal Techniker war, denn seine Eröffnungsrede war leicht nerdisch angehaucht. Er redete Marketing-f00 über neue Kommunikationsmöglichkeiten, stellte die ungeahnt tollen Features der neuen Software von Web.de vor, die eine neue Art der Kommunikation ermöglichen werde. Dann beschrieb er, wie Web.de doch als Diensteanbieter grundlegender Baustein der vernetzten Welt wäre, wo es doch vor 10 Jahren das Internet noch nicht gab (aha!). Und dann deklarierte er, dass es das jetzt wär und verschwand. Wie geekig! Wie vernetzt! 🙂 Ich glaube, dass anschliessend Frau Robertson noch kurz den ersten Redner, den Gastredner aus Amerika, Unterstützer von Howard Dean, vorgestellt hat: Benjamin Barber, Professor an der University of Maryland und wichtiges Mitglied des Democracy Collaborative . Dieser stellte seine Thesen über Technologie und Vernetzung, über E-Democracy vor. In einem humpeligen Deutsch, denn “Es ist besser, dass sie perfekt verstehen, was ich nicht so perfekt ausdrücke, als dass sie das missverstehen, was ich perfekt ausdrücke.” Viel kann ich von der Rede aus meinem Gedächtnis nicht mehr zusammenkratzen, zum Teil weil die Durlacher Trollfraktion auf einmal da war, und sich über alles lustig gemacht hat (“Sie stören”). An einer Aussage kann ich mich noch erinnern, und zwar, dass Technik neutral sei, und letztendlich immer von Menschen kontrolliert würde. Genau dieser Satz wurde am nächsten Tag wieder aufgegriffen, und es wurde dazu bemerkt, dass Technik nie neutral sei, sondern immer eine gesellschaftliche Wirkung habe. Aber genau das wollte Barber ja sagen, nur dass nicht die Technik an sich für diese Auswirkungen verantwortlich ist, sondern die Menschen, die sie einsetzen. Das konnte er mit dem Beispiel des Schiesspulvers ausmalen: dieselbe Technologie hatte komplett andere gesellschaftliche Folgen in Europa, wo es sozusagen zu einer “Demokratisierung” des Krieges kam, wo nicht nur mehr ein paar Kriegsherren die alleinige militärische Macht besassen; und in China, wo das Schiesspulver die Macht der Warlords nur stärker befestigen konnte.

Gefolgt wurde Benjamin Barbers Rede von dem Vortrag von Mo Edoga über “Die Unendlichkeit als plastisches Ereignis”. Dazwischen lag aber die heiss ersehnte Buffetpause, mit Rotwein, Weisswein, Laugengebäck und kleinen Häppchen aus Blätterteig. Eng war es in dem Raum! Aber zurück zu dem eigentlichen kulturellen Geschehen. Mo Edoga ist mit seiner tollen umgekippten Rastafrisur, seinem zu zwei Bällchen zusammengeknoteter Bart und seiner enganliegenden Lederhose sofort aufgefallen. Vor dem Vortrag hat er ein paar Videomitschnitte von einem seiner Kunstwerke in Washington gezeigt, wo er tagelang aus Treibholz einen riesigen Turm gebaut hat. Ähnliches hat er auch hier an der Fridericiana 1994, oder auch auf der Documenta IX (1992) gemacht. Während diesem Zusammenknoten von Baumstämmen unterhielt er sich immer mit den Leuten, die ihn und sein Werk beobachtet haben. Anscheinend ist diese Kommunikation mit dem Publikum fester Teil seines künstlerischen Vorgehens. Ein paar Sätze aus diesen Gesprächen mit dem Publikum wurde im Dokumentarfilm aufgezeichnet, die wohl auch Schlüssel zu seinem späteren Vortrag sind: “Der Sinn ist nicht wichtig” (so habe ich es in Erinnerung). Mitgebracht hat er auch einen relativ kleinen (ungefähr 1 Meter Durchmesser) Globus aus Treibholz, einen “nicht-euklidischen Globus”. Edoga stellte dann im Vollautomatik-Rhythmus die komplexe Philosophie, die sein Werk untermauert. Wortwörtlicher Mitschrieb (einen Satz konnte ich einigermassen abtippen, der Rest ging zu schnell, und es ist jetzt nicht unbedingt so, dass ich langsam tippe):

Mit der Unendlichkeit als plastisches Ereignis, plastisch denn programmatisch ist zu gefährlich, ist die Nichteuklidie besonders durchdacht und ziehlt auf die Intensivierung der körperlichen Dimension der Intellektualität der Renaissance.

Gemeint mit Renaissance ist hier die Ökorenaissance (alles klar?). Ein paar Begriffe schienen ihm besonders wichtig zu sein, denn er notierte sie auch auf einer Tafel: Chaogenität, Ökorenaissance, Nicht-euklidie. Er erzählte uns auch, Amerikaner hätten ihm abgekauft, dass Chaogenität ein real existierender Begriff griechischen Ursprungs sei, wo Edoga ihn doch nur erfunden hätte. Dabei lachte er sich einen ab. Die Entropia-Trollfraktion war nach dem Rotwein auch relativ heiter, und wir konnten uns nicht verkneifen, währen dem Vortrag zu lachen und zu beobachten, wie nach und nach das Publikum den Raum verliess. Eine blonde Dame vor uns reagierte dann auch ganz angepisst, und meinte zu Nicola: “Sie stören.” “Wir können doch nichts dafür, wenn sie nichts peilen”, antwortete Nicola. Dann wurde gewettet, ob der Vortrag ernst gemeint war, Nicola und mgr waren strikt der Meinung, das sei nur Verarschung, Dividuum und ich waren uns da nicht so sicher. Scheinbar war das auch ernst gemeint, denn die Sprache hatte Mo Edoga auch später im Restaurant und bei einer Publikumsfrage bei der Podiumsdiskussion drauf. Vielleicht können wir einfach seine Gedankengänge nicht parsen, und er bewegt sich nur in Welten, die ihn verstehen. Jedenfalls stand nach einer halben Stunde Frau Robertson auf, und meinte freundlich zu Mo Edoga, das Publikum wäre jetzt nicht mehr ganz fit nach dem Naschen und Alkoholkonsum, und es wäre langsam Zeit, Schluss zu machen. Und so ging auch der Abend zu Ende.

posted by manuel at 2:48 pm  

Sunday, February 15, 2004

Virus

Es war einmal ein Teenager, ein Kind mit blauen Haaren. Das Kind mit den blauen Haaren hiess Tim, und saß tagsüber vor dem Fernseher, abends vor dem Rechner, sogar in der Schule schienen ihm die Fenster des Klassenraumes grosse flimmernde Monitore zu sein. Nach der Schule holte sich Tim bei der Bäckerei ein Schokobrötchen, verschling es auf dem Rückweg, und daheim blieben nur noch ein paar Krümel auf seinem T-Shirt übrig. Kurz grüsste er seine Eltern, dann griff er zur Fernbedienung, und knipste die Glotze an. Meistens fing er bei Kanal 7 an, weil sein Finger immer automatisch auf der Taste lag, wenn er die Fernbedienung aufhob. Von 7 aus zappte er mit “P+” bis 30, dann wieder rückwärts bis Kanal AV signalisierte, dass heute wohl auch nichts spannendes lief. Aber ein Mal war es anders, auf Kanal 8 gab es dieses eine Mal nur weisses Rauschen, elektronischer Schnee, *kribbelkribbel*, *knister*. Plötzlich flimmerte es kurz, der Fernseher knackste bedrohlich, einen Augenblick lang konnte man die Umrisse einer komischen Plüschkreatur erkennen, und dann lief wieder eine dämliche “Cops-bei-der-täglichen-Arbeit”-Serie. Tim fuhr mit seiner Hand durch die blauen Haare, seufzte, und drückte weiter auf “P+”. Später abends, als Tim seine Emails checkte, änderte sich plötzlich das Icon des Mailprogramms. Wieder diese komische Plüschkreatur, ein Hase, um genauer zu sein. Ein Hase mit grossen, braunen, gekrümmten, zerfledderten Ohren. Fast wie Fledermausflügel, eigentlich. Und das verunsichernde an diesem Icon war, dass es ganz scharf umrissen war, wo doch die anderen Programmbildchen eher Pixelpüree glichen. Doch dann war die Email da, das Icon war wieder normal, die Festplatte klickte einmal laut, und schon konnte Tim sich fragen, ob er gerade nur tief verwirrt sei und heute ausnahmsweise mal früher ins Bett gehen sollte. Am nächsten Tag in der Schule überlegte sich Tim zum wiederholten Male, ob die vorüberziehende Wolken doch nur Screensaver für interstellare Giganten sein, für riesige Wesen da draussen im All, die nur die zarte Matrix der Erde schützen wollten vor den gefährlichen Strahlen der Sonne. “Alles klar, Tim?” *zuck* Tim blickt zum Lehrer hinauf, doch vorne am Schreibtisch sitzt kein Lehrer, sondern ein lila Plüschtintenfisch, mit langen wolligen Tentakeln. Aber die Brille, die der Tintenfisch trägt, das ist genau die Brille, die der Lehrer auch trägt.

posted by manuel at 5:36 pm  

Monday, February 9, 2004

Anfänger sein

Nachdem ich ein paar Jahre nur Informatik gemacht habe, von morgens bis spät abends, und langsam ein bisschen souveräner mit der Materie umgehen konnte, bin ich nun in ein paar Fächern wieder ein blutiger Anfänger. Im Laufe der Zeit konnte ich bei Computern z.B. ein Feeling für entwickeln, was bei einem Program “gut” ist, einigermassen instinktiv Programme refactoren, neu schreiben, langsam auch besser einschätzen, wieviel Zeit für eine Aufgabe einzuplanen ist. Ein Effekt der Entwicklung war auch, “weniger” Wert auf bestimmte Aspekte zu legen, z.B. ist ein Betriebssystem genauso gut wie das andere, je nachdem was man machen will. Zum Rumklicken sind Windows und OSX und Linux angenehm, aber genauso gut kann man ein Projekt unter $oldschoolunix zum Laufen bringen, oder unter VMS, und das echte OS gibt es eh nicht, ob alt oder neu. Damals wussten die Leute nicht besser bescheid als heute, und Nostalgie ist nicht angebracht (da dachte ich mal anders :). Das soll jetzt nicht heissen, das ich übermässig toll was drauf habe, was Computer angeht, aber in dem Bereich habe ich mehr drauf als in allen anderen, und in den Rahmenbedingungen der Materie kann ich auch relativ frei und natürlich denken.

Vor ein paar Monaten habe ich mit Genetik als Nebenfach angefangen, und da kam gleich der erste Schock: ich peile so gar nichts! Das war mir seit ein paar Jahren nicht mehr so wirklich passiert, zumindest konnte ich mir immer einbilden, was zu wissen. Allmählich ging das besser, aber die interessanteste Erfahrung war, die Denkweisen, die unterliegenden Denkschemata sind bei Biologie ganz anders. Da kommt man auf die Erkenntnis, dass das, was man für Jahre als natürlich empfunden hat, eben nicht das Einzige ist, ja nicht mal wirklich wichtig ist. Und wieviele solcher Denkarten wird man nie kennenlernen? Wo ich jetzt auch versuche, ein bisschen was zu löten, habe ich wieder die selben Erfahrungen: ich peile gar nichts, ich scheiter relativ oft (bei Computern weiss ich ja, was ich lieber nicht versuche), aber auf der anderen Seite ist das Erfolgserlebnis umso grösser. Nach diesen Anfängererlebnissen (die ich auch habe, wenn ich versuche philosophische Texte zu kapieren, oder soziologische Essays) fühle ich mich aber “reicher”, als wenn ich jetzt nur meine geilen C0mput3r-0v3rsk1llz verbessert hätte, und ich kann mir glaub nicht mehr vorstellen, solche Erlebnisse alle paar Jahre zu haben, so als “kalte Dusche zum Aufwachen”. Das einfachste, um sowas zu erleben, ist denke ich einfach Fachwechsel. Oder vielleicht verreisen? Woanders wohnen? Das muss wahrscheinlich ähnlich spannend sein.

posted by manuel at 12:43 am  
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