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Wednesday, June 29, 2005

The forever war von Joe Haldeman

Vor einiger Zeit bin ich auf die Reihe “SF Masterworks” von Millenium gestossen. Als erstes Buch aus der Reihe hatte ich “Gateway (Heechee Saga)” von Frederik Pohl gelesen, das mir sehr gefallen hat. In “Gateway” stiess die Erdbevölkerung auf komische Relikte einer unbekannten ausserirdischen Zivilisation: Raumschiffe, die keiner zu steuern weiss, aber die zu willkürlichen Orten im Universum fahren können. Um diese Raumschiffe entwickelt sich dann ein komisches Unterfangen, in dem waghalsige EntdeckerInnen ein zufälliges Schiff nehmen, und hoffen, erstens heil an- und zurückzukommen, und zweitens am Ziel auch noch was Interessantes (sprich Verwertbares) zu entdecken. Natürlich kommen die meisten Schiffe nicht zurück, weil keiner so recht weiss, was da eigentlich abgeht. Der Hauptdarsteller ist natürlich ein solcher Chaot, der sich aus dem russischen Roulette Reichtum und Ehre erhofft. Parallel dazu muss er noch ein paar seelische Probleme mit seinem Computertherapeuten klären, mit dem er sich täglich streitet. Da ich unbekannte Zivilisationen immer total spannend finde, kann ich diesen Roman nur empfehlen. Er hat bei mir so ähnliche Begeisterung ausgelöst wie “Rendezvous with Rama” (Arthur C. Clarke).

Später habe ich dann die Liste der veröffentlichten Bücher in der Reihe angeschaut, und stiess dabei auf “The Forever War” von Joe Haldeman, das ich dann für einen Apfel und ein Ei auf Amazon gebraucht bestellen konnte. The forever war hat gewisse Ähnlichkeiten mit “Starship Troopers” (Robert A. Heinlein). Die Menschheit ist in einem intergalaktischen Krieg mit unbekannten Wesen verwickelt, und natürlich darf nur einer gewinnen. Eigentlich ist gar nicht klar, ob überhaupt ein Krieg am Start ist, oder ob das Ganze ein Missverständnis ist. Hauptsache, es wird geballert, schliesslich geht es der Erde marktwirtschaftlich nicht so brillant, da kann ein so riesiges, geldverschlingendes Unterfangen doch gar nicht falsch sein. Die Hauptfigur, William Mandella, ist eigentlich Physiker, wird aber einbezogen in eine Elite-Einheit der Armee, und muss zuerst in Extremsituationen sein Trainingsplan durchziehen. Danach geht es zur ersten “richtigen” Auseinandersetzung mit den Taurans, die bösen Burschen. Die ist dann auch alles relativ schnell vorbei, die SoldatInnen (zumindest die, die noch am Leben sind) können wieder heim.

Doch da die meisten Flüge mit einer Geschwindigkeit geschehen, die nahe an der Lichtgeschwindigkeit liegt, kehren die SoldatInnen nicht mehr auf “ihre” Erde zurück, sondern auf eine Erde, die 10 Jahre älter ist als sie. Und dort sieht alles ziemlich beängstigend aus: die Erde ist überfüllt, ein Grossteil der Menschheit kann sich nicht richtig ernähren, es gibt Essensrationierung, man kann ohne Waffen kaum mehr aus dem Haus, weil man sonst ausgeraubt und umgebracht wird. Ein wahre Chaosvision. Schnell beschliesst Mandella, doch wieder in die Armee zurückzukehren, wo er gleich auf weitere Missionen geschickt wird. Den nächsten Zwischenhalt auf Erden macht er aus subjektiver Sicht erst 1 Jahr später, inzwischen sind aber etliche Jahrzehnte auf Erden abgelaufen, und die Welt ist nochmals ganz anders geworden.

Ein spannender, knackig geschriebener Roman, der den Krieg ziemlich kalt (kommt mir jedenfalls so vor) darstellt: ohne Verherrlichung, aber irgendwie auch nicht, indem auf die Grausamkeit besonders geachtet wird. Zerstörerisch, barbarisch, letztendlich auch total sinnlos, und die Hauptfigur, obwohl im Grunde genommen pazifistisch, muss zusehen, wie die meisten Mitsoldaten zugrunde gehen, merkt aber, wie er “zum Soldaten” wird, nachher auch im realen Leben keinen Job mehr als Wissenschaftler findet, sondern sich eher in die Security-Schiene einnistet. Total entwurzelt muss er mit einer Erde klarkommen muss, die ihm komplett fremd ist. Der Roman wurde kurz nach dem Vietnamkrieg geschrieben, und die Figur Mandellas ist wohl eine überspitzte Darstellung des Soldaten, den der Krieg zerstört hat, und der nicht mehr “normal” leben kann, weil die Armee sein einziges Zuhause geworden ist.

posted by manuel at 6:46 pm  

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