Der Geist lernt gerade auf Info3, und hat vorhin neben mir in seinem Skript gelesen. Zwischendurch hat er dann immer Fragen zu dem Stoff gestellt. “Kann ein endlicher Automat eine unendliche reguläre Sprache erkennen?” … “Ist eine endliche Sprache immer regulär?”. Bei den Fragen kam mir wieder zu Gemüte, warum ich eigentlich theoretische Informatik so gern hab… Wieso ich von Zeit zu Zeit einfach nur so ein Buch über Komplexität aufklappe, und es dann nach 5 Minuten wieder hinlege, weil man die Materie nur ganz langsam geniessen kann. Man muss sich ja auch erst die Unendlichkeit des Bandes in einer Turingmaschine vorstellen… Und überhaupt ist das Konzept einer Maschine, die nur vor und zurückspulen kann, so minimal und einfach ist, dass es schon per Definition ästhetisch ist. Theoretische Konzepte können eigentlich nur kunstvoll sein, eigentlich auch im grafischen Sinne.

Dieser Minimalismus fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Genauer gesagt, dass man vom Konzept her alles überschauen kann. Und dass theoretische Konzepte immer eine heile Welt bilden: eine 1 ist eine 1 und ist wahr und eine 0 ist eine 0 und ist falsch und ist keine 1 und dazwischen gibt es nichts, und eine 1 geht nie kaputt und wird auch nie zur 0. Dieser Gedanke ist immer da, wenn ich ein neues Paper lese, wenn ich ein neues Programm schreibe, wenn ich eine neue Programmiersprache ausprobiere, oder wenn ein neuer Rechner auf dem Basteltisch steht. Natürlich klappt das nie so richtig, das mit der Überschaubarkeit, weil wir ja alles nur Menschen sind. Das mit dem nie kaputt gehen klappt auch nie so wirklich, da macht es mal Peng! und da ist der Kontroller am Arsch, oder die Software ist halt nach einer Zeit nur noch Müll. Das hat mich früher tierisch aufgeregt, und mir auch immer panische Angst gemacht. Mittlerweile hat die Liebe für theoretische Minimalismen aber zur Liebe für unscharfe Sachbestände, für komplexe Beziehungen, für Relationen, die man weder kennt noch nachvollziehen kann geführt. Naja, vielleicht wird man mit der Zeit auch ein bisschen erwachsen 🙂