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Sunday, February 22, 2004

Der vernetzte Egoist (Tag 3)

Am Sonntag fand dann die lang erwartete Podiumsdiskussion statt, die unter dem Motto “Kommunikation: Von der Lanparty zur Violine” lief. Eingeladen und gekommen waren Prof. Dr. Christiane Funken, Dozentin an dem Institut für Soziologie der TU Berlin, Bernd Diemer, Internetkünstler, Prof. Wolfgang Meyer, Rektor der Musikhochschule Karlsruhe, in deren Räumen die Podiumsdiskussion stattfand. Moderiert wurde das Gespräch durch Prof. Dr. Olaf Schwencke (zu Herrn Schwencke konnte ich nichts eindeutiges ergoogeln, einen Googlelink gebe ich jetzt nicht, weil ich es doch als sehr unhöflich empfinde, eine maschinengenerierte, und dazu sich noch ständig verändernde, Seite zu einer Person anzugeben). Zum Glück kannte ich schon die meisten Teilnehmer (bzw. Teilnehmerin) vom Italiener am Vorabend, so dass ich nicht beim Betreten der Bühne an Herzschwäche umfallen musste. Eingeleitet wurde die Matinee mit Musik durch ein Musikstück für Klavier und Gesang, vorgetragen von zwei Frauen (wohl Studentinnen an der Musikhochschule), leider wurde nicht angesagt, um welches Stück es sich handelte, entzückend und berührend war es allemal, und hervorragend gesungen, leider kann ich jetzt eine Woche später kaum mehr sagen, was es war. Generell sind meine Erinnerungen an die gesamte Veranstaltung so verschwommen, dass ich mich jetzt fest entschlossen habe, meinen Palm wieder überall mitzuschleppen und zu jedem kleinen Detail Notizen zu machen, sonst wird das ja hier nichts mit dem gewissenhaften Bloggen. Nach etwa zwanzig Minuten Musik wurden auf die Bühne gebeten, wo neben dem imposanten Steinway-Flügel füng Ledersessel und niedrige Tische aufgestellt waren, auf den Tischen stand jeweils eine Mineralwasserflasche und ein Glas. Links von mir saß Bernd Diemer, rechts Olaf Schwencke, ferner rechts dann Christiane Funken und letztendlich Wolfgang Meyer. Herr Schwencke leitete die Diskussion ein, indem er einen kurzen Zeitungsbeitrag aus der Zeit vorlas, in der bemängelt wurde, dass die junge Generation so vernetzt und verfernseht und verhyped sei, dass in ein paar Jahren die Gesellschaft wegen fehlendem politischen Engagement qualvoll enden würde. Dann fragte er mich, was ich als Jüngster in der Runde davon denken würde. Schreck! Was soll ich denn darauf antworten? Ehrlich gesagt denke ich, dass die Vernetzung an diesem Desinteresse nicht, bzw. kaum schuld ist, sondern viel mehr die hochgepriesene Konsummentalität und der komplett geistlose Inhalt der meisten Fernsehbeiträge und high-traffic-Kommerzwebseiten ist. Das lass ich jetzt ganz pauschal und undifferenziert stehen, weil keine Lust, genaueres zu erzählen 🙂 Zum Glück bemerkte Herr Schwencke recht schnell meine Verlegenheit, und formulierte eine neue, sachliche Frage, und zwar, was denn überhaupt eine Lanparty sei. Die Frage beantwortete ich auf total langweiliger Art, indem ich von Zockerparty, Demoparty und Hackerparty redete, und dann auch noch vergaß zu erwähnen, dass eine solche Veranstaltung keine Party in dem Sauf-, Tanz- und Gröhlsinne ist. Von dem Zeitpunkt an kann ich mich nicht mehr an den genauen Ablauf der Diskussion erinnern, deswegen gebe ich jetzt einfach mal die Gedanken wieder, die ich noch aus meinem Gedächtnis ausgraben kann.

Frau Funken ging recht ausgiebig auf den Punkt ein, dass Email ein kaltes Medium (wohl im Sinne von McLuhan?) sei, bei dem ausser der textlichen Information keine zusätzlichen Daten übermittelt werden, also nicht z.B. wie beim Gespräch in der wirklichen Welt, wo die Körpersprache wichtige Details vermittelt, z.B. ob der Gesprächspartner glaubwürdig, ruhig oder eben schüchtern oder nervös ist. Email sei deswegen nicht unbedingt angebracht für Konfliktlösung (was man relativ leicht an den unzähligen Flamewars, auch unter netzgewöhnten Menschen, sieht). Email oder ähnliche textbasierende Kommunikationsmedien sind laut Frau Funken auch im professionellem Umfeld schwer zu meistern, weil es noch keine kodifizierte Kommunikationsregeln gibt (wie schreibt man z.B. einen unbekannten Kunden in einer Email an?). Bernd Diemer wurde dann gefragt, inwiefern sich diese neuen Kommunikationsmedien zu künstlerischen Zwecken einsetzen lassen.In seiner Antwort erwähnte er, dass SMS kaum verwendet wurden, um Kunst zu machen. Vielleicht ändert sich das mit MMS, die ersten Kunstmoblogs gibt es ja schon. Der weitere Verlauf der Diskussion war eigentlich wenig aufregend, da eigentlich alle Gesprächspartner miteinander einverstanden waren, bis auf Herr Mayer, der als Musiker nicht ganz mitmischen konnte. Ursprünglich waren noch weitere ReferentInnen zu den Themen Musik und Tanz eingeladen, die dann schliesslich nicht kamen, so dass nur noch die Lanparty-Fraktion der Teilnehmer vertreten war. Herr Mayer erwähnte allerdings, dass bisherige Internetkonzerte (er war bei dem ersten übers Internet gesendeten Konzert dabei) vom Visuellen her eher unbrauchbar, vom Auditiven her allerdings sehr gut waren. Nach der Podiumsdiskussion wurde dann ein weiteres Duett Klavier/Gesang vorgetragen, und dann ein Lied von Schubert für Klavier, Klarinette und Gesang, und dann waren auch die Karlsruhe Gespräche zuende. Das ZAK hat mich jetzt um ein Manuskript meines Beitrags zur Podiumsdiskussion gebeten (in Form eines Word-Dokumentes auf einer Diskette, ich hoffe das Email auf akzeptiert wird), sowie um ein Abstract für die Seite karlsruhe2010.de. Ich bin mal gespannt, was ich da so produzieren werde.

posted by manuel at 10:48 pm  

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