Nichts schreiben

Und doch ist es in manchen Fällen, versetzte Charlotte, notwendig und freundlich, lieber nichts zu schreiben, als nicht zu schreiben.

Johann Wolfgang Goethe, Die Wahlverwandschaften

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Drogen

Drugs are about changing perception.

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Influence des habits

baggy pants

Il y a quelques jours, alors que tous mes pantalons larges étaient crades, j’ai remis un vieux pantalon en velours, un peu trop petit, un petit peu serré, pour voir ce que ça allait donner. Première constatation, j’ai des jambes toutes maigres et quand j’ai un pantalon serré, on dirait une araignée. Quand en plus le pantalon est légèrement trop court, et qu’on voit les chaussettes de sport blanches par dessous le pantalon noir, et bien ça fait affreux. Et avec le gros pull de hacker, ça fait geek complet, mais alors vraiment. Et le truc intéressant, c’est que l’habit fait le moine, et que ces vêtements somme toute complètement hideux m’ont renvoyé quelques années en arrière, quand j’était le gros geek qui se sentait assez mal dans sa peau. Conclusion, plus jamais de pantalon normal et serré et moche, je me sent vraiment mieux et beaucoup plus libre dans mes habits 5 tailles trop grands 🙂

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Der vernetzte Egoist (Tag 3)

Am Sonntag fand dann die lang erwartete Podiumsdiskussion statt, die unter dem Motto “Kommunikation: Von der Lanparty zur Violine” lief. Eingeladen und gekommen waren Prof. Dr. Christiane Funken, Dozentin an dem Institut für Soziologie der TU Berlin, Bernd Diemer, Internetkünstler, Prof. Wolfgang Meyer, Rektor der Musikhochschule Karlsruhe, in deren Räumen die Podiumsdiskussion stattfand. Moderiert wurde das Gespräch durch Prof. Dr. Olaf Schwencke (zu Herrn Schwencke konnte ich nichts eindeutiges ergoogeln, einen Googlelink gebe ich jetzt nicht, weil ich es doch als sehr unhöflich empfinde, eine maschinengenerierte, und dazu sich noch ständig verändernde, Seite zu einer Person anzugeben). Zum Glück kannte ich schon die meisten Teilnehmer (bzw. Teilnehmerin) vom Italiener am Vorabend, so dass ich nicht beim Betreten der Bühne an Herzschwäche umfallen musste. Eingeleitet wurde die Matinee mit Musik durch ein Musikstück für Klavier und Gesang, vorgetragen von zwei Frauen (wohl Studentinnen an der Musikhochschule), leider wurde nicht angesagt, um welches Stück es sich handelte, entzückend und berührend war es allemal, und hervorragend gesungen, leider kann ich jetzt eine Woche später kaum mehr sagen, was es war. Generell sind meine Erinnerungen an die gesamte Veranstaltung so verschwommen, dass ich mich jetzt fest entschlossen habe, meinen Palm wieder überall mitzuschleppen und zu jedem kleinen Detail Notizen zu machen, sonst wird das ja hier nichts mit dem gewissenhaften Bloggen. Nach etwa zwanzig Minuten Musik wurden auf die Bühne gebeten, wo neben dem imposanten Steinway-Flügel füng Ledersessel und niedrige Tische aufgestellt waren, auf den Tischen stand jeweils eine Mineralwasserflasche und ein Glas. Links von mir saß Bernd Diemer, rechts Olaf Schwencke, ferner rechts dann Christiane Funken und letztendlich Wolfgang Meyer. Herr Schwencke leitete die Diskussion ein, indem er einen kurzen Zeitungsbeitrag aus der Zeit vorlas, in der bemängelt wurde, dass die junge Generation so vernetzt und verfernseht und verhyped sei, dass in ein paar Jahren die Gesellschaft wegen fehlendem politischen Engagement qualvoll enden würde. Dann fragte er mich, was ich als Jüngster in der Runde davon denken würde. Schreck! Was soll ich denn darauf antworten? Ehrlich gesagt denke ich, dass die Vernetzung an diesem Desinteresse nicht, bzw. kaum schuld ist, sondern viel mehr die hochgepriesene Konsummentalität und der komplett geistlose Inhalt der meisten Fernsehbeiträge und high-traffic-Kommerzwebseiten ist. Das lass ich jetzt ganz pauschal und undifferenziert stehen, weil keine Lust, genaueres zu erzählen 🙂 Zum Glück bemerkte Herr Schwencke recht schnell meine Verlegenheit, und formulierte eine neue, sachliche Frage, und zwar, was denn überhaupt eine Lanparty sei. Die Frage beantwortete ich auf total langweiliger Art, indem ich von Zockerparty, Demoparty und Hackerparty redete, und dann auch noch vergaß zu erwähnen, dass eine solche Veranstaltung keine Party in dem Sauf-, Tanz- und Gröhlsinne ist. Von dem Zeitpunkt an kann ich mich nicht mehr an den genauen Ablauf der Diskussion erinnern, deswegen gebe ich jetzt einfach mal die Gedanken wieder, die ich noch aus meinem Gedächtnis ausgraben kann.

Frau Funken ging recht ausgiebig auf den Punkt ein, dass Email ein kaltes Medium (wohl im Sinne von McLuhan?) sei, bei dem ausser der textlichen Information keine zusätzlichen Daten übermittelt werden, also nicht z.B. wie beim Gespräch in der wirklichen Welt, wo die Körpersprache wichtige Details vermittelt, z.B. ob der Gesprächspartner glaubwürdig, ruhig oder eben schüchtern oder nervös ist. Email sei deswegen nicht unbedingt angebracht für Konfliktlösung (was man relativ leicht an den unzähligen Flamewars, auch unter netzgewöhnten Menschen, sieht). Email oder ähnliche textbasierende Kommunikationsmedien sind laut Frau Funken auch im professionellem Umfeld schwer zu meistern, weil es noch keine kodifizierte Kommunikationsregeln gibt (wie schreibt man z.B. einen unbekannten Kunden in einer Email an?). Bernd Diemer wurde dann gefragt, inwiefern sich diese neuen Kommunikationsmedien zu künstlerischen Zwecken einsetzen lassen.In seiner Antwort erwähnte er, dass SMS kaum verwendet wurden, um Kunst zu machen. Vielleicht ändert sich das mit MMS, die ersten Kunstmoblogs gibt es ja schon. Der weitere Verlauf der Diskussion war eigentlich wenig aufregend, da eigentlich alle Gesprächspartner miteinander einverstanden waren, bis auf Herr Mayer, der als Musiker nicht ganz mitmischen konnte. Ursprünglich waren noch weitere ReferentInnen zu den Themen Musik und Tanz eingeladen, die dann schliesslich nicht kamen, so dass nur noch die Lanparty-Fraktion der Teilnehmer vertreten war. Herr Mayer erwähnte allerdings, dass bisherige Internetkonzerte (er war bei dem ersten übers Internet gesendeten Konzert dabei) vom Visuellen her eher unbrauchbar, vom Auditiven her allerdings sehr gut waren. Nach der Podiumsdiskussion wurde dann ein weiteres Duett Klavier/Gesang vorgetragen, und dann ein Lied von Schubert für Klavier, Klarinette und Gesang, und dann waren auch die Karlsruhe Gespräche zuende. Das ZAK hat mich jetzt um ein Manuskript meines Beitrags zur Podiumsdiskussion gebeten (in Form eines Word-Dokumentes auf einer Diskette, ich hoffe das Email auf akzeptiert wird), sowie um ein Abstract für die Seite karlsruhe2010.de. Ich bin mal gespannt, was ich da so produzieren werde.

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Prose

– Serguei, il faut supprimer la prose.
– Quoi ?
– Je viens de lire une description de la campagne. Ah ! J’en ai assez de l’odeur de miel des pres, des vastes espaces du bord de la Volga, des fameux bourgeons qui eclatent sur les arbres, des steppes… Tout cela n’est plus de la litterature, depuis longtemps deja, mais de la contrefacon.

Mikhail Boulgakov a Serguei Ermolinski

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Hermann Hesse Ausstellung

Bis zum 4. April kann man im Literaturmuseum am Prinz-Max-Palais eine Ausstellung über die Entstehung des Glasperlenspiels von Hermann Hesse besichtigen. In einem grossen Raum, auf ein paar Dutzend Tischen, kann man Briefe, Bücher, Bilder und andere Gegenstände aus den 11 Jahren, an den Hermann Hesse an der Lebensgeschichte von Joseph Knecht schrieb, bewundern. Circa 1931 fing Hesse an, den Ablauf des Werkes zu planen, besuchte fleissig Bibliotheken und schickte auch seine Familienangehörige fort, um Informationen über den historischen Hintergrund zu Joseph Knechts Kindheit zu suchen, von der Blaskappellenmusik bis zu Gelehrtenwerke, um lateinische Zitate seines Albertus Secundus glaubwürdiger zu gestalten. Später gibt Hesse in einem Brief zu, er habe sich für die Kindheit Joseph Knechts wohl “überstudiert”, und dass an zu sorgfältiger Recherche letztendlich die Dichtung an Wert verliere. Schon 1919 verlies Hesse Deutschland, um im italienischen Montagnola in einer kleinen Wohnung zu leben. In dieser Wohnung empfing er später auch Flüchtlinge aus Deutschland, so z.B. Thomas Mann.

In der Ausstellung kann man Fotos von Hesse auf Skiern sehen, und lernt, dass er lebenslanger begabter und überzeugter Skifahrer war. Doch der alternde Hesse (er war schon über 50) hat schwerwiegende Probleme mit seiner Gesundheit, hat Rheuma und Gichtanfälle und kämpft dauernd mit den Nebenwirkungen seiner Arzneimittel (ausgestellt ist ein Gedicht über die Nachteile des Schlafmittels Evipan, dass er für seine Frau dichtete). Beeindruckend sind auch die Briefe von Hermann Hesse, die er mit Bildern drucken lies, und oft selber mit Aquarell bemalte. Am Interessantesten fand ich aber, mit welcher Sorgfalt und mit welcher Überzeugung Hesse die Schriften von Joseph Knecht (also der zweite Teil des Glasperlenspiels) dichtete und zusammenfasste, und wie die Gedichte des alternden Hesse als Jugendgedichte Knechts veröffentlicht wurden. Daran sieht man auch in aller Klarheit, wie wichtig Joseph Knecht als autobiographische Figur für Hesse war. Ein anderer interessanter Satz ist eine Bemerkung von Ninon Hesse, die erklärt, dass Hesse es ausdrücklich erwähnt hätte, wenn es in Kastalien keine Frauen gegeben hätte. Tatsächlich gibt es in dem Glasperlenspiel kaum eine weibliche Figur, wie auch in kaum einem der anderen Werke von Hermann Hesse.

Die Ausstellung war auf jedem Fall interessant, der Eintritt ist ja auch kostenlos, da kann es wirklich kein Fehler sein, sie zu besuchen. Ich hätte allerdings gerne mehr über das Leben von Hesse in diesen Jahren erfahren, als nur eine einigermaßen lose Ansammlung von Gegenständen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir den Film, der im Nebenzimmer lief, nicht angeguckt habe.

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Accents

Je sais que mes posts en francais ne comportent pas d’accents ou de c-cedilles, alors que mes posts en allemand ont des tremas. Ca ne veut pas dire que je me donne moins de peine pour les posts en francais (au contraire, j’ai pas mal de difficultes avec la grammaire… ouille ouille), mais plutot que le clavier francais est tellement different du clavier anglais que j’utilise d’habitude que je m’ecorche les doigts avec un layout francais, et que j’en oublie ce que je voulais ecrire. Sur le powerbook, par contre, on peut utiliser de subtiles combinaisons de touche sur le clavier anglais pour faire des accents, mais je n’ai pas reussi a trouver des combinaisons semblables sous windows, si jamais vous avez une idee… Donc, pas taper, j’espere que vous pouvez faire abstraction :).

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Le maître et Marguerite

Voila, je viens de finir frenetiquement “Le maitre et Marguerite” de Mikhail Boulgakov, achete pour 2 EUR aux brocanteurs de la place de la Cathedrale a Strasbourg cet ete, et qui trainait dans un coin obscur de ma chambre depuis. Je suis entrain de reflechir a comment raconter juste ce qu’il faut pour donner envie de lire ce livre, sans reveler les petits secrets croustillants et delirants qui se cachent a chaque page… Alors, ca se passe a Moscou, dans les annees 30 je crois, tout le monde appelle son prochain “citoyen” ou “citoyenne”, et le premier chapitre raconte comment Ivan Nikolaievitch Biezdommy, jeune poete, et Berlioz (non, pas le compositeur, mais l’ecrivain Mikhail Alexandrovitch) se promenent autour de l’etang du Patriarche. Berlioz est le president du M.A.S.S.O.L.I.T., la formidable association moscovite d’ecrivains, de poetes et de dramaturges, qui possede une somptueuse demeure dans la banlieue (l’ancienne maison de Gribodeiov) et qui se charge de loger ses membres, de leur payer des voyages creatifs a Yalte, et qui les fournit en caviar, vodka glacee, esturgeons rotis et autres cailles au champagne (on voit bien ici l’ironie mordante et cruelle de Boulgakov). Donc, Biezdommy et Berlioz se promenent autour de l’etang du Patriarche, debattant de l’existence de Jesus, lorsqu’apparait un etranger, repondant au nom de Woland, qui leur assure que si, bien sur, Jesus a parfaitement existe, et qui leur conte une journee dans la vie de Ponce Pilate, en ce mois de Nisan, lorsqu’il fit executer un vagabond du nom de Yeshua. C’est a partir de ce moment la que Moscou va etre secouee par une serie d’evenements plus bizarres et surnaturels les uns que les autres, et au coeur de ces evenements, on retrouve toujours ce mysterieux etranger Woland, ainsi que sa suite composee d’un chat noir qui parle et qui marche comme un humain et d’une grande courge repondant au nom de Koroviev.

Le roman se lit d’une traite (j’ai mis quelques jours, quand meme), et est d’une vitalite etonnante, enchainant les recits surnaturels et fantastiques sans s’egarer une seconde. On voit s’amasser dans l’hopital psychiatrique du docteur Stravinsky les malheureuses victimes de Woland, l’homme en noir, le sataniste et specialiste en magie noire, et pourtant, on sourit a chaque paragraphe. Ce n’est que vers la moitie du livre que l’on fait d’ailleurs la connaissance du Maitre et de Marguerite, mais on ne les quittera plus jusqu’a a la fin. En quelques mots, c’est un livre cruel, ironique, vivant, poetique, romantique, historique, et russe (oui, tout ca a la fois). Russe, parce que tous les dialogues me font penser a cette chaleur rugueuse des quelques pauvres poemes que l’on a appris en cours et dont je me souvienne, et des quelques livres russes que j’ai lu ces dernieres annees. En tout cas, c’est un livre formidable, je le recommande chaudement.

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Die Sonne scheint und nichts zu tun

The sun shines through the curtains, Lali Puna is playing, and there is not much to do for now. Later in the evening, maybe…

Born
Bored
Discovered
All the things we do are pin-up sweet

Born
Bought
Discouraged
All the things we do are pin-up sweet

In between we’re recorders
In between we try

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Der vernetzte Egoist (Tag 2)

In dem Bericht über den ersten Tag habe ich gelogen, denn der Abend war nach dem Abklang von Mo Edogas Vortrag noch lange nicht fertig. Kaum wieder in Karlsruhe bemerkte ich, dass ich meinen Geldbeutel irgendwo bei Web.de oder vielleicht in der Bahn verpeilt hatte. Das mit dem Geldbeutelverpeilen ist bei mir wie ein längst vergessenes Familienmitglied, das alle 2 Jahre im Durchschnitt mal wieder an der Tür klopft. Wenn man die Tür nichtsahnend öffnet haucht es einem dann seinen verwesten Mundgeruch ins Gesicht, dass man zuerst eine gezischt kriegt und Atemnot bekommt. Dann aber erst wird einem allmählich klar, dass man erstmal ein paar Tage damit kämpfen muss, weil sich der unerwünschte Gast eingenistet hat. Besonders schlimm ist es, wenn man gleich noch die Schlüssel mit verpeilt, da darf man bevor das Leben überhaupt einigermassen normal weitergeht richtig rumhetzen. Das Schlimme ist das neben dem Geld auch alle superwichtige Papiere, die man so im Alltag braucht, verschwinden (z.B. Netzkarte, Visitenkarten, Mensakarte). Nicht, weil man sie oft braucht (das nervt nur aus pragmatischen Gründen), sondern weil es Gegenstände sind, die einen hohen emotionalen Wert haben, weil man gerade täglich mit ihnen konfrontiert ist. Als ich endlich bei Web.de klingelte, nachdem ich mit der ersten S-Bahn nach Durlach gefahren war, wusste ich eigentlich schon, was mich erwarten würde: “Tut mir leid, aber wir haben leider nichts gefunden.” Super! Ganz grossartig! Ein gelungener Abend! Wirklich! Im Hadiko stellte ich mit Grauen fest, dass an dem Abend ja Faschingsfest war. Klingt lustig, ist es aber nicht. Faschingsfest im Hadiko bedeutet nämlich, dass bis 7 Uhr morgens besoffene Affenabkömmlinge unter meinem Fenster rumgröllen, während dumpfe eklige Mainstreamdiskomucke aus dem K1 sämtliche Wände erzittern lässt. So kam es dann auch, und nach einer erholsamen Nacht durfte ich dann ohne Papiere Richtung FZK düsen, um dort das letzte Genetikseminar abzuhaken.

Wegen dem Seminar konnte ich auch nur zur letzten Veranstaltung des vernetzten Egoisten kommen. Um 16:00 fand im badischen Landesmuseum am Schloss die Diskussionsrunde statt, die den selben Namen, wie die Karlsruhe Gespräche trug: “Gesellschaft im Jahre 2010: Der vernetzte Egoist?”. Ich kam pünktlich zur Kaffeepause, und wollte mir einen Kaffee holen, konnte aber leider nicht, da ich ja kein Geld hatte. Doch genau in dem Moment redete mich eine ZAK-Mitarbeiterin an. “Bist du doch der Marcel?” “Ja so ungefähr, ich bin der Manuel.” “Du hast gestern bei uns deinen Geldbeutel verloren, oder?” Und da war er wieder! Und mit ihm auch gleich das nötige Kleingeld für die heiss ersehnte Kaffeetasse. Juhuu!

Beteiligt an der Gesprächsrunde, die durch Vorträge der Referenten eingeleitet wurde, waren Natascha Adamovsky, Dozentin an der Humboldt Universität Berlin, Johann Günther, Direktor des Zentrums für Telematik in Krems und Peter Weibel, Leiter des ZKM. Natascha Adamowsky trug einen Text vor, in dem sie darstellte, wie sie sich das Leben eines vernetzten Egoisten im Jahre 2010 vorstellte. Ich muss nicht wirklich aufgepasst haben, das Einzige, woran ich mich erinnern kann, ist der Neovergleich. Und tatsächlich kamen Matrixvergleiche auch ziemlich oft in den folgenden Vorträgen vor. Johann Günther hatte vorwiegend Telematikerfolien, mit vielen bunten Grafiken wie weit Vernetzung im letzten Jahrzehnt vorangeschritten sei. Und ein UMTS-Handy hat er, aber das klingelt genauso penetrant und unerwünscht wie die alten GSM-Modelle. Peter Weibel konnte man leider nur schlecht verstehen, aber seine Thesen schienen am interessantesten zu sein. Die Müdigkeit der Nacht, nur gering vermindert durch die paar hastig hinuntergeschlürften Kaffees in der Pause, hinderte mich aber daran, genauer verstehen zu wollen, was er da vorne nuschelte. DJ Reptilskroete stellte während Peter Weibels Vortrag seine Männlichkeit zur Schau, indem er hinten plötzlich aufstand, die Arme zum Himmel schleuderte, und mit schaumigen Mund brüllte: “Reden Sie doch lauter! Man versteht Sie ja kaum!”. Das Lustige war aber nachher die Fragestunde, wo sich ein Zukunftsforscher vorstellte, und meinte, dass die ganze Technikdebatte doch Vergangenheit wäre, das Interessante jetzt sei doch Soziobiologie, ja, menschliche Gesellschaften als Bienenschwärme auffassen. Aha. Und was man schon in vergangen Zeiten mit Soziobiologie verbunden, darüber will man kaum nachdenken (Stichwort Sozialdarwinismus).

Am Abend fand dann die “szenische Lesung” im Nachtflug statt. Ich weiss nicht, ob “szenische Lesung” ein Fachbegriff ist, aber es klingt doch furchtbar hype. Fast so hype wie das Nachtflug-Lokal. In dem Film “Vaya Con Dios” landen 3 Mönche in Karlsruhe, werden fast sofort von coolen jungen Leuten im Cabrio aufgenommen und zu einer extrem geilen Laute-Musik-Nackte-Koerper-Utz-Utz-Party verschleppt. So ungefähr wie der Schuppen, indem diese Party stattfand, kann man sich das Nachtflug vorstellen. Weit ausserhalb (in der Amisiedlung), total schick in Rot und Schwarz, “Bitte nur gepflegte Kleidung”-Schild am Eingang, Weinglas und hochnäsige Bedienung für 5 EUR. Total notwendige Kneipe also. Die szenische Lesung war die Theateraufführung von Falk Richters Stück “Electronic City”, indem es um einen (oder mehrere? oder ganz alle) Geschäftsmänner namens Tom und eine Flughafenangestellte namens Joy geht. Tom reist von Stadt zu Stadt (oder eher von Flughafen zu Flughafen), trifft immer wieder auf dieselben Leute, brüllt laut seine Verzweiflung in die seelenlose Terminalgänge, will alle umbringen oder auch nur wieder ein bisschen lieben. Joy geht es genauso, nur sie ist eben Supermarktsklavin, muss die Barcodemaschine füttern, und sonst nichts. Ich fands ganz nett, wenn auch ziemlich manieriert, und ein bisschen “veraltert”, weil es doch sehr nach 2001 und Startupblase riecht. In derselben Umgebung von grossen Hotelketten, die in Tokyo und Toronto identische Gebäude stehen haben, ist “Lost In Translation” ein ziemlich schöner Schmusefilm.

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